Das unbe­hel­lig­te Milliardengeschäft

Foto: flickr/​bargensonIn einer Pachinko-Spielhalle.

In der Welt des Pachin­ko darf alles ein biss­chen anders sein. Das japa­ni­sche Glücks­spiel, bei dem der Spie­ler mit einem Spe­zi­al­dre­her klei­ne Metall­ku­geln in einem Auto­ma­ten in die rich­ti­gen Löcher zu len­ken ver­sucht, gene­riert jähr­lich umge­rech­net 190 Mil­li­ar­den Euro. Schät­zungs­wei­se 34’000 Berufs­spie­ler gibt es. Eine Mil­li­on Japa­ner gel­ten als süch­tig (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Es geht um viel Geld in die­ser Bran­che. Pachin­ko wird jedoch nicht als Glücks­spiel ange­se­hen, denn die­ses ist in Japan, mit Aus­nah­me der staat­li­chen Lot­te­rie oder der Renn­wet­ten, noch ver­bo­ten. Statt­des­sen fällt Pachin­ko wie die Hos­tess Bars und Clubs unter das Unter­hal­tungs­ge­setz. Das hat für die Pachin­ko-Besit­zer den lukra­ti­ven Vor­teil, dass aus­ser der gewöhn­li­chen Unter­neh­mens­steu­er kei­ne Spiel­steu­ern zu ent­rich­ten sind. Das bedeu­tet aber auch, dass den Kun­den kein Geld aus­be­zahlt wer­den darf.

So win­ken denn als Gewin­ne nur Sach­prei­se. Umgan­gen wird das Ver­bot, indem in unmit­tel­ba­rer Umge­bung einer Pachin­ko-Spiel­hal­le die Prei­se dis­kret in Bar­geld umge­tauscht wer­den kön­nen. Damit der Schein der Gesetz­mäs­sig­keit gewahrt wird, sind die­se Buden, wel­che die Sach­prei­se nach offi­zi­el­ler Les­art ankau­fen, als Unter­neh­men vom Pachin­ko-Betrieb getrennt – zumin­dest vordergründig.

Spie­len im Graubereich

Die Poli­zeit drückt bei die­sem Vor­ge­hen im gesetz­li­chen Grau­be­reich seit Jahr­zehn­ten ein Auge zu. Zu vie­le Inter­es­sen aus Poli­tik, Wirt­schaft und ande­ren Grup­pie­run­gen ste­cken hin­ter dem Pachin­ko-Spiel. Und so gehört das Glücks­spiel mit den Auto­ma­ten zu den Bran­chen, wel­che regel­mäs­sig am meis­ten Steu­ern hin­ter­zie­hen.

Nun aber könn­te es für die Pachin­ko-Besit­zer unge­müt­li­cher wer­den. Denn die japa­ni­sche Poli­tik möch­te bis zu den Som­mer­spie­len 2020 das Glücks­spiel lega­li­sie­ren. Wie in Macao oder Sin­ga­pur soll in Tokio der­einst ein gigan­ti­scher Casi­no-Kom­plex zu ste­hen kom­men, wel­cher der Metro­po­le einen zusätz­li­chen Auf­schwung ver­lei­hen und der Staats­kas­se viel Geld ein­brin­gen soll. Ein Geset­zes­ent­wurf ist bereits aus­ge­ar­bei­tet (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Abe will die Casinos

Auch Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe steht hin­ter dem Pro­jekt. Dies brach­te er bei einem Besuch in Sin­ga­pur Ende Mai zum ers­tem Mal zum Aus­druck. Die Casi­nos könn­ten zu einem Pfei­ler sei­ner Wirt­schafts­wachs­tums­stra­te­gie wer­den, sag­te er damals laut der Mai­ni­chi Shim­bun. Abe sieht die Casi­nos als Magne­te für Tou­ris­ten und Inves­ti­tio­nen. Sin­ga­pur hat vor­ge­macht, wie man mit gut kon­zi­pier­ten Casi­nos die Tou­ris­ten­zah­len in die Höhe schraubt.

Und so stellt sich für eini­ge Abge­ord­ne­te der Regie­rungs­par­tei zuneh­mend die Fra­ge, ob im Fal­le eines neu­en Glücks­spiels­ge­set­zes nicht auch Pachin­ko zwangs­läu­fig stär­ker zur Kas­se gebe­ten wer­den müss­te. Laut der Sank­ei Shim­bun wird das The­ma in der japa­ni­schen Poli­tik der­zeit inten­siv diskutiert.

Ein neu­es Gesetz könn­te eine direk­te Gewinn­aus­zah­lun­gen in den Pachin­ko-Hal­len erlau­ben. Gleich­zei­tig wür­de eine Spiel­steu­er anfal­len, die dem Staat Zusatz­ein­nah­men von geschätz­ten 1,5 Mil­li­ar­den Euro ein­brin­gen wür­de. Eine ver­stärk­te staat­li­che Auf­sicht ist für die meis­ten Pachin­ko-Besit­zer jedoch kaum ein attrak­ti­ves Szenario.

Eine Bran­che ohne Zukunft?

Bis jedoch eine Spiel­steu­er ein­ge­führt wird, kann noch eine Wei­le ver­ge­hen. Denn vor­erst liegt der Fokus der Poli­tik auf einer Umset­zung des Glücks­spiel-Geset­zes. Dies wäre frü­hes­tens 2016 der Fall.

Für die Pachin­ko-Bran­che sind die Dis­kus­sio­nen um eine Spiel­steu­er der­weil nicht das ein­zi­ge Pro­blem. Seit eini­gen Jah­ren ver­liert sie an Attrak­ti­vi­tät. Ihre Kun­den wer­den immer älter, die jun­ge Gene­ra­ti­on ver­bringt ihre Zeit lie­ber mit Inter­net. Der lan­des­wei­te Pachin­ko-Umsatz ist seit 1995 um 70 Pro­zent, die Zahl der Spiel­hal­len auf rund 12’000 gesun­ken. Die gol­de­nen Tage des Pachin­ko sind schon lan­ge vor­bei (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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