Foto: flickr/​Evan Bla­serSala­ry­men nach der Arbeit.

Seit 1960 ana­ly­siert das Cul­tu­re Rese­arch Insti­tuts von NHK anhand einer Umfra­ge den Tages­ab­lauf eines arbei­ten­den Japa­ners. Wie teilt sich ein Japa­ner sein täg­li­ches Leben ein? Wann geht er arbei­ten? Wann geht er ins Bett? Wie lan­ge ist er zuhau­se? Wie lan­ge bei der Arbeit? Jedes noch so klei­ne Detail wird analysiert.

Und so zeigt sich, dass sich seit eini­gen Jah­ren ein sanf­ter Wan­del voll­zieht. So gehen inzwi­schen 20 Pro­zent der Befrag­ten bereits vor 8 Uhr am Mor­gen arbei­ten. Im Jahr 2000 war die­ser Wert ledig­lich bei 13 Prozent.

Denn lan­ge war der Stan­dard, dass man bis in den Abend hin­ein arbei­te­te, mit den Kol­le­gen anschlies­send essen und trin­ken ging und schliess­lich spät in der Nacht nach Hau­se fuhr. Dafür nahm man sich am Mor­gen etwas mehr Zeit.

Frü­her arbei­ten, weni­ger Schlaf

Gemäss der neu­en Umfra­ge nimmt der Anteil der Per­so­nen, die am Mor­gen inten­siv arbei­ten, zu, wäh­rend der Anteil der Per­so­nen, die lie­ber am Nach­mit­tag oder Abend arbei­ten, ab. Vie­le ste­hen mor­gens bereits zwi­schen 5 Uhr und 7:15 Uhr auf und gehen am Abend vor 23 Uhr schla­fen. Vor allem die Ange­stell­ten zwi­schen 30 und 50 Jah­ren bevor­zu­gen die­sen Rhythmus.

Gear­bei­tet wird immer noch gleich lan­ge wie vor fünf Jah­ren. Durch­schnitt­lich sind es 7:28 Stun­den pro Tag. Gan­ze 23 Pro­zent kom­men jedoch regel­mäs­sig auf über 10 Stunden.

Gleich­zei­tig hat die durch­schnitt­li­che Schlaf­dau­er abge­nom­men. Ein arbei­ten­der Japa­ner schläft heu­te wochen­tags im Schnitt 7:15 Stun­den. Im Ver­gleich zum Jahr 1995 ist dies ein Rück­gang um 12 Minu­ten. In den 70er-Jah­ren, in der Zeit der wirt­schaft­li­chen Blü­te, waren es inter­es­san­ter­wei­se noch fast 8 Stun­den Schlaf.

Essen und Trin­ken am Abend

Die Ver­schie­bung des Tages­ab­laufs scheint auch einen Ein­fluss auf das abend­li­che Trin­ken und Essen mit den Arbeits­kol­le­gen sowie die all­ge­mei­ne Pfle­ge der beruf­li­chen Bezie­hun­gen zu haben. Immer weni­ger Japa­ner sind bereit, sich dafür Zeit zu neh­men. NHK gibt an, dass durch alle Bran­chen hin­durch, nur noch 6 Pro­zent die­ses soge­nann­te «O-Tsuki­ai» inten­siv pflegen.

Das bedeu­tet nicht, dass die Japa­ner am Abend unter der Woche nicht mehr aus­ge­hen. Viel­mehr ver­bringt man die­se Zeit anstatt mit den Arbeits­kol­le­gen lie­ber mit den Freun­den oder der Fami­lie. Eine frü­he­re Stu­die der Citi­zen Hol­dings bestä­tigt die­sen Trend (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Dem­nach essen inzwi­schen 50 Pro­zent der Büro­ar­bei­ter ihr Abend­essen täg­lich mit der Fami­lie. 1990 am Ende der wirt­schaft­li­chen Boom-Pha­se des Lan­des lag die­ser Pro­zent­satz noch bei beschei­de­nen 13 Pro­zent. Die Aben­de mit den Arbeits­kol­le­gen zu ver­brin­gen war eine Pflicht.

Unter­schied­li­che Pendelzeiten

Aus­ser­dem neh­men die Pen­del­zei­ten im Arbeits­all­tag eines Sala­ry­man unver­än­dert viel Zeit ein. Durch­schnitt­lich ver­wen­det er für die Rei­se von Zuhau­se zur Arbeit und wie­der zurück 79 Minu­ten. Die­se Zeit hat sich in den letz­ten zwan­zig Jah­ren nicht verändert.

Doch je nach Stadt gibt es gros­se Unter­schie­de. So ver­wen­det ein Tokio­ter täg­lich 102 Minu­ten fürs Pen­deln. In Osa­ka sind es noch 86 Minu­ten. Lebt man hin­ge­gen in einer klei­ne­ren Stadt redu­ziert sich die­se Zeit auf rund 70 Minuten.