News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Der Traum vom Landleben

Sicht auf den Fuji in der Präfektur Yamanashi. (Foto: flickr/ David Hsu)

Sicht auf den Fuji in der Präfektur Yamanashi. (Foto: flickr/ David Hsu)

Die Mehrheit der Japaner lebt in Städten. Alleine in den urbanen Grossräumen Tokio/Yokohama, Nagoya und Osaka/Kobe leben 65 der 126 Millionen Japaner. Neben der Hauptstadt gibt es in Japan insgesamt 11 Millionenstädte und 9 weitere Grossstädte mit über 500’000 Einwohner (Asienspiegel berichtete). Der grösste Magnet bleibt die Hauptstadt Tokio, deren Bevölkerungszahl jährlich wächst (Asienspiegel berichtete).

Die Städte bieten gerade den jungen Menschen wirtschaftliche Perspektiven. Auf dem Land hingegen wird es zunehmend ruhiger. Seit einigen Jahren schreitet der Bevölkerungsrückgang gerade in diesen Orten rasant voran. Was bleibt, ist eine überalterte Bevölkerung. Und trotz all dieser Schwierigkeiten hegen viele urbanen Japaner den Traum, irgendwann einmal aufs Land zu ziehen, um der Hektik des Stadtlebens zu entfliehen. Daneben bietet das ländliche Leben auch wesentlich billiger Preise.

Vermehrtes Interesse am Landleben

Die Tokioter NGO Furusato Kaiki Shien («Unterstützung für die Rückkehr in die Heimat») berät seit 2002 Leute, die in andere, insbesondere ländliche Gegenden ziehen möchten. Die Nachfrage danach ist so offenbar gross wie noch nie. Über 20’000 Beratungen hat die Organisation 2015 gezählt. Das ist fast eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Das Interesse, aufs Land zu ziehen, sei besonders nach der Wirtschaftskrise 2008 und nach der Dreifachkatastrophe 2011 gewachsen. Ausserdem fördert inzwischen auch die Regierung die Wiederbelebung der ländlichen Regionen (Asienspiegel berichtete).

Furusato Kaiki Shien führt bei ihren Besuchern seit einigen Jahren regelmässig eine Umfrage durch, mit der sie herausfinden möchte, welche die beliebtesten, ländlichen Präfekturen sind. 4359 Personen, die mehrheitlich in Tokio leben, hat sie im vergangenen Jahr befragt, 45 Prozent davon waren zwischen 20 und 40 Jahren.

Zwei Spitzenreiter

An die Spitze dieser Rangliste geschafft hat es 2015 die Präfektur Nagano. Sie hat damit die Nachbarpräfektur Yamanashi auf den zweiten Platz verdrängt. Beide Regionen sind regelmässig ganz vorne dabei und besitzen zudem gewisse Ähnlichkeiten. Sie haben als eine der wenigen Präfekturen keinen Meeranschluss, verfügen dafür aber mit den Japanischen Alpen über eine imposante Bergkulisse. In Yamanashi ist zudem auch eine Hälfe des Fujis zuhause.

Genau diese weitläufige Natur scheint für die Tokioter verlockend zu wirken. Das vielleicht noch wichtigere Argument ist jedoch die Nähe zur Hauptstadt. Die Präfektur Nagano besitzt zudem den Ruf, sich besonders gut um ihre Einwohner zu kümmern. In keiner anderen Region in Japan leben die Menschen länger, wie eine Studie des Gesundheitsministeriums zeigt (Asienspiegel berichtete).

Der überraschende Dritte

Der grosse Aufsteiger in dieser Rangliste ist jedoch etwas überraschend Shimane, das vom 8. auf den 3. aufgestiegen ist. Die Präfektur am südwestlichen Rand ist eine der ländlichsten und wirtschaftlich ärmsten Regionen, dafür aber umso reicher an Natur, Geschichte und Kultur, dazu gehört auch die imposante Izumo-Schreinanlage, eine der wichtigsten religiösen Stätten in Japan.

Furusato Kaiki Shien erklärt sich diesen Aufstieg Shimanes mit den verstärkten Bemühungen der Behörden, die Leute aus den Metropolen mit Werbekampagnen und Verstaltugnen wieder aufs Land zu locken. Auffallend ist auch, wie sich in den letzten Jahren die Präfekturläden in der Hauptstadt vermehrt haben. Diese werden von den Lokalregierungen finanziert und bieten zahlreiche Spezialitäten aus den entsprechenden Orten an. Sie sind ein perfektes Werbefenster für die Region.

Die Top-10-Präfekturen von Furusato Kaiki Shien:

  1. Nagano
  2. Yamanashi
  3. Shimane
  4. Shizuoka
  5. Okayama
  6. Hiroshima
  7. Kochi
  8. Akita
  9. Oita
  10. Miyazaki

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