Von Fritz Schu­mann – Der Geruch von Far­be und Öl hat­te mich bei­na­he über­wäl­tigt, als ich die Licht­dru­cke­rei in Kyo­to 2014 das ers­te Mal besucht habe. Werk­statt-Lei­ter Osa­mu Yama­mo­to (56) nimmt es nach fast 40 Jah­ren nicht mehr wahr. «Die Far­be und der Geruch sind in mei­ne Haut gesun­ken. Sie sind ein Teil von mir», sag­te er mir, leicht amü­siert und stolz.

Licht­druck wur­de 1856 in Frank­reich erfun­den und anschlies­send in Deutsch­land wei­ter­ent­wi­ckelt. Um die vor­letz­te Jahr­hun­dert­wen­de war es das bestim­men­de Druck­ver­fah­ren – allein in Deutsch­land gab es meh­re­re Hun­dert Stu­di­os. Das Ver­fah­ren ähnelt der Foto­gra­fie: Gedruckt wird von einem Nega­tiv, ohne das übliche Punkt­ras­ter. Und obwohl dadurch die Qualität von Licht­druck bis heu­te schwer zu errei­chen ist, so hat das Ver­fah­ren nicht überleben können.

Licht­druck ist teu­er und lang­sam. Nur weni­ge Dru­cke sind am Tag möglich. Das ist der Grund, war­um nach und nach alle Stu­di­os in der Welt ver­schwan­den. Leip­zig, das letz­te Stu­dio in Euro­pa, stell­te 2013 sei­nen täglichen Betrieb ein und ist heu­te nur gele­gent­lich für Künstler geöff­net. Durch eine Kam­pa­gne auf Kick­star­ter in die­sem Jahr ver­sucht das Offi­zin in Darm­stadt nun den Licht­druck in Deutsch­land wie­der zu beleben.

Von natio­na­ler Bedeutung

Doch zur Zeit gibt es welt­weit nur noch zwei Licht­dru­cke­rei­en, bei­de befin­den sich in Kyo­to. Ben­ri­do ist dabei das ein­zi­ge Stu­dio, das im Dau­er­be­trieb und in Far­be dru­cken kann. Sie arbei­ten unter ande­rem für das Kai­ser­li­che Japa­ni­sche Hof­amt und stel­len Nach­dru­cke his­to­ri­scher Doku­men­te her, die bis zu 1’200 Jah­re alt sein kön­nen. Für Yama­mo­to hat sei­ne Arbeit und der Erhalt vom Licht­druck daher eine natio­na­le Bedeu­tung. «Wenn wir hier auf­hö­ren, ver­schwin­det der Lichtdruck.»

Da ich 2012 bereits die Dru­cke­rei in Leip­zig besucht hat­te, wuss­te ich um das Col­lo­ty­pe-Stu­dio in Kyo­to. Man kann­te sich bereits, tausch­te sich aus mit Wis­sen und Far­ben. Doch das Ende von Leip­zig hat­te man in Japan nicht mit­be­kom­men, man war ein­fach zu sehr damit beschäf­tigt jeden Tag zu dru­cken. Als ich Yama­mo­to und Ben­ri­do davon erzähl­te, stimm­te sie es trau­rig, doch war ich doch erfreut zu sehen, wie aktiv der Licht­druck in Kyo­to ist.

Post­kar­ten und Handy-Hüllen

Mit Hin­ga­be und Lie­be zum Detail schaf­fen die Mit­ar­bei­ter seit Jahr­zehn­ten qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Dru­cke – die nicht nur für den Kai­ser vor­be­hal­ten sind. In einem eige­nen Geschäft bie­tet Ben­ri­do auch kos­ten­güns­ti­ge Post­kar­ten mit tra­di­tio­nel­len Moti­ven an. Jedes Mal wenn ich in Kyo­to bin besu­che ich auch den Laden und brin­ge Sou­ve­nirs mit.

Ben­ri­do druckt wei­ter, und ent­wi­ckelt die Tech­no­lo­gie. Gröss­ter Schatz ist ihr Nega­tiv-Dru­cker, der digi­ta­le Fotos in ana­lo­ge Vor­la­gen über­setzt. Auch gehö­ren Han­dy-Hül­len mit tra­di­tio­nel­len Moti­ven für Smart­pho­nes zu den neu­en Pro­duk­ten, die der alte Licht­druck heu­te erschaffen.

Aktu­el­le Aussstellung

Aktu­ell läuft auch die stadt­wei­te Aus­stel­lung Kyo­to­gra­phie, bei der Ben­ri­do ein­lädt, den Licht­druck zu erle­ben. Zeit­gleich star­tet auch der eige­ne Hari­ban Award, wo Ama­teur- und Pro­fi-Foto­gra­fen welt­weit ein­ge­la­den sind, ihre Arbei­ten bis zum 30.6. ein­zu­sen­den. Die sieg­rei­chen Bil­der wer­den auf den rie­si­gen Stahl­ma­schi­nen als Licht­dru­cke umge­setzt und der ers­te Platz ist eine Rei­se nach Kyoto.

Mehr über Benrido:

Foto: Fritz Schu­mannBen­ri­do stellt unter ande­rem Dru­cke für das japa­ni­sche Hof­amt her.
Foto: Fritz Schu­mannBen­ri­do in Kyo­to ist die letz­te Licht­dru­cke­rei im Dauerbetrieb.
Foto: Fritz Schu­mann«Wenn wir hier auf­hö­ren, ver­schwin­det der Licht­druck»: In der Werk­statt von Benrido.
Foto: Fritz Schu­mannBen­ri­do stellt Nach­dru­cke his­to­ri­scher Doku­men­te her, die bis zu 1’200 Jah­re alt sein können.
Foto: Fritz Schu­mannIn einem eige­nen Geschäft bie­tet Ben­ri­do auch kos­ten­güns­ti­ge Post­kar­ten mit tra­di­tio­nel­len Moti­ven an.