flickr/​fumitake1969Alles legal: Ein Schild weist auf ein Duft­gras-Geschäft hin.

Die Ver­käu­fer nen­nen sie in Japan Goho Herb, geset­zes­kon­for­me Grä­ser. Ver­kauft wer­den sie offi­zi­ell als Duft­grä­ser zur ange­neh­men Erfri­schung von Räum­lich­kei­ten. Doch kei­ner ver­wen­det sie wirk­lich zu die­sem Zweck. In Wahr­heit wer­den die­se mun­ter inha­liert. In den ent­spre­chen­den Läden wer­den nicht sel­ten auch pas­sen­de Pfei­fen dazu ver­kauft. Mit che­mi­schen Stof­fen ver­setzt, haben die Duft­grä­ser mit­un­ter für die Gesund­heit gefähr­li­che hal­lu­zi­no­ge­ne Wirkung.

Seit 2 Jah­ren ver­brei­tet sich die­se Alter­na­tiv­dro­ge in Japan, dank einem Schlupf­loch im Gesetz. Denn in Japan ver­bie­tet kein recht­li­cher Para­graph den Zusatz che­mi­scher Stof­fe in Duft­grä­sern. Zwar haben die Behör­den seit 2007 vie­le che­mi­sche Zusät­ze auf die Ver­bots­lis­te genom­men. Doch die Gras-Pro­du­zen­ten wis­sen sich den wech­seln­den Bedin­gun­gen mit neu­en che­mi­schen Zusam­men­set­zun­gen cle­ver anzu­pas­sen. Aus die­sem Grund nennt die Poli­zei die Duft­grä­ser Dap­po Herb, geset­zes­um­ge­hen­de Gräser.

Japan und Drogen

Dro­gen, und sei es auch Can­na­bis, eine in Euro­pa mit viel Mil­de betrach­te­te Dro­ge, sind in Japan nicht nur ver­bo­ten, son­dern auch gesell­schaft­lich geäch­tet. Doch in den letz­ten Jah­ren hat sich bei vie­len jun­gen Japa­nern die Ein­stel­lung in die­ser Hin­sicht verändert.

Vie­le hät­ten nicht mehr so vie­le Berüh­rungs­ängs­te wie frü­her, sag­te ein Mit­ar­bei­ter einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Dro­gen­süch­ti­ge im Gespräch mit der Yomi­uri Shim­bun vor 2 Jah­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te). «Frü­her war es schwie­rig, Dro­gen oder Can­na­bis zu bekom­men, ohne die rich­ti­gen Freun­de und Ver­bin­dun­gen. Seit Kur­zem ist es aber rela­tiv ein­fach gewor­den. Vie­le Kun­den sind ganz nor­ma­le Men­schen, denen man den Kon­sum nicht ein­mal ansieht.»

Da die Poli­zei gera­de die Dro­gen kon­su­mie­ren­den Stars als eine Avant­gar­de des schlech­ten gesell­schaft­li­chen Ein­flus­ses emp­fin­det, haben sich ihre Ermitt­lun­gen in den letz­ten Jah­ren auf die Gla­mour­welt kon­zen­triert. Manabu Oshio und Nori­ko Sakai sind dabei nur zwei Bei­spie­le in einer lan­gen Rei­he von Ver­haf­tun­gen in den letz­ten 3 Jah­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Medi­en­kam­pa­gne der Polizei

Nun hat die Poli­zei auch den lega­len Grä­sern und ihren Ver­käu­fern den Kampf ange­sagt. In einer lan­des­wei­ten Medi­en­kam­pa­gne wird der­zeit vor den gesund­heit­li­chen Gefah­ren die­ser neu­en Dro­ge gewarnt. Gemäss der Mai­ni­chi Shim­bun wur­den zwi­schen Janu­ar und April 2012 in Tokio 77 Per­so­nen wegen der Fol­gen des Gras­kon­sums hos­pi­ta­li­siert. Bei den meis­ten han­del­te es sich um ver­gleichs­wei­se harm­lo­se Fäl­le. Eini­ge weni­ge ver­lo­ren das Bewusst­sein. Und zwei­mal kam es sogar zu Todesfällen.

Die Behör­den wol­len aus die­sen Grün­den die Schrau­be anzie­hen und pla­nen ein all­ge­mei­nes Ver­bot für sol­che Duft­grä­ser. Alter­na­tiv soll der Import erschwert wer­den. Aus­ser­dem ver­schärft die Poli­zei die Kon­trol­len. Im gan­zen Land hat die Poli­zei den Läden für Duft­grä­ser medi­en­wirk­sa­me Besu­che abge­stat­tet. Die recht­li­che Hand­ha­be bleibt jedoch beschränkt. Zumeist bleibt es bei einer Bit­te zur Selbst­be­schrän­kung beim Ver­kauf der geset­zes­kon­for­men Duftgräsern.