Screen­shot: ANN NewsIm Fokus der Gesprä­che: Das AKW Oi.

Seit dem 6. Mai 2012 ist in Japan kein ein­zi­ges Atom­kraft­werk mehr in Betrieb (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Lokal­re­gie­run­gen wei­gern sich, die offi­zi­ell für Unter­halts­ar­bei­ten her­un­ter­ge­fah­re­nen Reak­to­ren wie­der in Betrieb zu nehmen.

Die Regie­rung in Tokio ver­sucht der­weil alles, um zumin­dest 2 Reak­to­ren im AKW Oi in der Prä­fek­tur Fukui wie­der anzu­schal­ten. Sie begrün­det ihre Hal­tung damit, dass der betrof­fe­ne Strom­pro­du­zent Kan­sas Elec­tric Power ohne sei­nen Atom­strom den Gross­raum Osa­ka wäh­rend des Som­mers nicht genü­gend mit Ener­gie ver­sor­gen könne.

Dane­ben sorgt sich Tokio dar­um, dass aus den einst ren­ta­blen Atom­kraft­wer­ken finan­zi­el­le Gross­ab­schrei­ber wer­den könn­ten. «Rein aus buch­hal­te­ri­schen Grün­den ist der sofor­ti­ge Atom­aus­stieg schon gar nicht mög­lich», zitiert die Tokyo Shim­bun Yoshi­to Sen­go­ku, ehe­ma­li­ger Minis­ter und ein füh­ren­der Poli­ti­ker in der Regie­rungs­par­tei DPJ.

Die Gemein­de­ver­samm­lung des Dor­fes Oi hat sich von der Regie­rung inzwi­schen über­zeu­gen las­sen. Gemäss der Mai­ni­chi Shim­bun hat sie ihre Zustim­mung fürs Hoch­fah­ren der Reak­to­ren gege­ben. Auch der Bür­ger­meis­ter von Oi will sich bis Ende Mai ent­schie­den haben. Das Dorf sorgt sich um die direk­ten wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen und die Arbeits­si­tua­ti­on, soll­te das AKW Oi abge­schal­tet werden.

Skep­ti­sche Präfekturregierungen

Der­weil gibt sich der Gou­ver­neur der Prä­fek­tur zurück­hal­ten­der. Issei Nis­hi­ka­wa will, dass die Regie­rung nicht nur bei der Prä­fek­tur Fukui, son­dern in der gesam­ten Regi­on Kan­sai das Ver­ständ­nis und die Ein­wil­li­gung ersucht. Und hier ist der Wider­stand am gröss­ten. Die Nach­bar­prä­fek­tu­ren Kyo­to und Shi­ga sor­gen sich um ihre Sicher­heit. Und auch die Metro­po­le Osa­ka mit ihrem streit­ba­ren Bür­ger­meis­ter Toru Hash­i­mo­to will ein Wört­chen mit­re­den. Für alle invol­vier­ten Ver­ant­wort­li­chen geht es am Ende um das poli­ti­sche Überleben.

So ist die Skep­sis der japa­ni­schen Bevöl­ke­rung gegen­über der aktu­el­len Poli­tik gross. Gemäss der jüngs­ten reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge der Asahi Shim­bun beob­ach­ten gan­ze 78 Pro­zent der Befrag­ten die Bemü­hun­gen Tokios um neue Sicher­heits­mass­nah­men in der Atom­po­li­tik mit gros­sem Misstrauen.

Aus­ser­dem sind 54 Pro­zent der Befrag­ten gegen das Wie­der­hoch­fah­ren der Reak­to­ren im AKW Oi. Beschei­de­ne 29 Pro­zent befür­wor­ten der­weil einen sol­chen Schritt.

Ein Balan­ce­akt

Letzt­end­lich ist die Poli­tik der Zen­tral­re­gie­rung ein ris­kan­ter Balan­ce­akt zwi­schen der Befrie­di­gung der Bedürf­nis­se der Wirt­schaft und die der Bevöl­ke­rung. Aus­ser­dem wird Tokio die im nächs­ten Jahr anste­hen­den Neu­wah­len nicht igno­rie­ren kön­nen. Der end­gül­ti­ge japa­ni­sche Atom­aus­stieg ist in die­sem Sin­ne noch immer eine rea­lis­ti­sche Option.