Eine Eng­lisch-Insel für Tokio

Bild: wiki­me­diaDeji­ma als Vor­bild? Die künst­li­che Insel vor Naga­sa­ki ermög­lich­te den Japa­nern in der Edo-Zeit den Han­del und Aus­tausch mit den Niederländern.

Wie bringt man der japa­ni­schen Jugend mög­lichst effi­zi­ent die eng­li­sche Spra­che bei? Mit die­ser Fra­ge hat sich die Tokio­ter Regie­rung befasst. Denn die Zeit drängt. 2020 wer­den die olym­pi­schen Spie­le in der Haupt­stadt aus­ge­tra­gen und spä­tes­tens bis dann möch­te man auch als kom­mu­ni­ka­ti­ver Gast­ge­ber bereit sein.

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Ein «English Vil­la­ge», in dem lebens­ech­te Situa­tio­nen nach­ge­stellt wer­den, soll es in den Augen der Lokal­re­gie­rung rich­ten, wie die Yomi­uri Shim­bun berichtet. 

Alles auf Englisch

Restau­rants, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten oder auch ein Sport­platz soll das Dorf anbie­ten. Gespro­chen wird in die­ser künst­li­chen Welt aus­schliess­lich Eng­lisch. Die Ange­stell­ten wer­den alles Mut­ter­sprach­ler sein. Das English Vil­la­ge wird zu Beginn nur für High­school-Schü­ler geöff­net sein. Nach den Spie­len soll der Ort für die Öffent­lich­keit zugäng­lich werden. 

Bis 2017 möch­te man die­ses «Dorf» in einem Gebäu­de auf einer der zahl­rei­chen auf­ge­schüt­te­ten Inseln in der Tokio­ter Bucht, ganz in der Nähe des künf­ti­gen Ath­le­ten­dor­fes, eröff­nen – gera­de noch recht­zei­tig, um das Eng­lisch der japa­ni­schen Jugend aufzupolieren.

Die Mühe mit der Konversation

Ent­stan­den ist die Dorf-Idee, nach­dem Exper­ten von Uni­ver­si­tä­ten und Eng­lisch­schu­len den Sprach­un­ter­richt in der japa­ni­schen Schu­le als zu pas­siv bemän­gel­ten. Es wer­de zu viel Wert auf Geschrie­be­nes gelegt, wäh­rend die Kom­mu­ni­ka­ti­on viel zu kurz komme.

Seit Jah­ren schnei­den die japa­ni­schen Schü­ler bei Eng­lisch­prü­fun­gen wie dem TOEFL ent­spre­chend schlecht ab. So kam Japan in der TOEFL-Län­der­rang­lis­te von 2007 auf den 136. Platz von ins­ge­samt 161 Natio­nen zu lie­gen. Län­der wie Chi­na, Süd­ko­rea und selbst Nord­ko­rea lies­sen den Insel­staat locker hin­ter sich (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Wenn es nur um die schrift­li­chen Eng­lisch­fä­hig­kei­ten geht, sind die Japa­ner hin­ge­gen inter­na­tio­nal durch­aus kon­kur­renz­fä­hig (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Zonen und Inseln für den Austausch

Übri­gens ist das Pro­jekt Tokios nicht ganz neu. Bereits im Som­mer die­ses Jah­res hat ein Exper­ten­ko­mi­tee der Zen­tral­re­gie­rung vor­ge­schla­gen, in gewis­sen Gross­städ­ten Zonen zu defi­nie­ren, wo Eng­lisch als offi­zi­el­le Spra­che geför­dert wird (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Noch ist aber dies­be­züg­lich kein Ent­scheid gefallen. 

Ent­fernt erin­nert das English Vil­la­ge auch an eine ganz ande­re Epo­che. In der Edo-Zeit (1603 bis 1868), als sich Japan vom Rest der Welt iso­lier­te, erschuf die dama­li­ge Regie­rung in der Bucht von Naga­sa­ki eine künst­li­che Insel mit dem Namen Deji­ma, wo die Nie­der­län­der als ein­zi­ge Euro­pä­er Han­del mit Japan betrei­ben durften.

Deji­ma wur­de so zu einem ein­zig­ar­ti­gen Ort des Aus­tauschs für Han­del mit dem Wes­ten. In die­sem Sin­ne wäre das Eng­lisch-Dorf in der Tokio­ter Bucht nur eine moder­ne Fort­set­zung einer alten Tradition.

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