Die Brü­cke aus einer ande­ren Zeit

Foto: flickr/​Ian Mut­tooDie Kachi­do­ki­ba­shi in der Nacht.

Nein, sie ist kei­ne Berühmt­heit. Die Tou­ris­ten, die unter der Woche zur berühm­ten mor­gend­li­chen Fisch­markt­auk­ti­on in Tsuki­ji pil­gern, über­se­hen sie nur zu ger­ne. Die Rede ist von der Kachi­do­ki­ba­shi, eine der gröss­ten beweg­li­chen Brü­cken in Japan, die einst für die Olym­pi­schen Spie­le in Tokio gebaut wur­de. Auf die Spie­le war­te­te das Bau­werk jedoch vergeblich.

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246 Meter lang ist die aus vier Stahl­bö­gen bestehen­de Kachi­do­ki­ba­shi, deren 44 Meter lan­ger Mit­tel­teil als impo­san­te Klapp­brü­cke dient. Ihr Name bedeu­tet «Sie­ges­schrei» und dient als Erin­ne­rung an den Sieg Japans über Russ­land im Jahr 1905. Bau­be­ginn der Kachi­do­ki­ba­shi war 1933. Die Brü­cke soll­te zum «Haupt­tor» der Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 1940 in Tokio und der Tokyo-Expo im sel­ben Jahr werden.

Reger Ver­kehr nach dem Krieg

1940 wur­de sie eröff­net, doch wegen des Zwei­ten Welt­kriegs fan­den weder die Som­mer­spie­le noch die Expo statt. Ver­ge­bens war der Bau jedoch nicht. Die Brü­cke über­stand den Krieg schad­los und wur­de zu einem wich­ti­gen Ver­bin­dungs­stück zwi­schen Gin­za und den immer grös­ser wer­den­den Inseln in der Tokio­ter Bucht. Selbst die Bahn fuhr bis 1968 über die Kachi­do­ki­ba­shi.

Und auch die Klapp­brü­cke tat ihren Dienst, damit der Schiffs­ver­kehr auf dem Sumi­da-Fluss gewähr­leis­tet blieb. In den 1950er-Jah­ren wur­de sie bis zu fünf Mal am Tag hoch­ge­fah­ren. Für den Auto­ver­kehr bedeu­te­te dies jeweils War­te­zei­ten von rund 20 Minu­ten. In den 1960er-Jah­ren fuh­ren immer weni­ger gros­se Schif­fe durch die Pas­sa­ge. Gleich­zei­tig nahm der Auto­ver­kehr der­art stark zu, dass der Betrieb der Klapp­brü­cke kei­nen Sinn mehr machte.

1970 wur­de sie zum letz­ten Mal für ein Schiff geöff­net. Die Strom­ver­sor­gung für die Klapp­brü­cke wur­de 1980 kom­plett ein­ge­stellt. Die Kachi­do­ki­ba­shi wur­de zur «nor­ma­len» Brü­cke degradiert.

Foto: flickr/​Yuri­ko IKE­DASeit 1970 ist die Klapp­funk­ti­on aus­ser Betrieb.

Wird die Brü­cke wie­der hochgefahren?

Doch seit eini­gen Jah­ren tut sich wie­der etwas. 2007 wur­de die Brü­cke von der Regie­rung zum Kul­tur­gut von natio­na­ler Bedeu­tung erho­ben. Aus­ser­dem ist eine Bür­ger­grup­pe ent­stan­den, die sich dafür ein­setzt, die Klapp­brü­cke wie­der in Betrieb zu neh­men, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Min­des­tens ein­mal im Tag soll sie wie­der hoch­ge­fah­ren und damit zu einem Anzie­hungs­punkt für Tou­ris­ten werden.

Ein Bericht ergab 2006, dass die Tech­nik der Klapp­brü­cke theo­risch noch immer funk­ti­ons­fä­hig wäre. Es stel­len sich aber noch logis­ti­sche und finan­zi­el­le Fra­gen, da die heu­ti­gen Auto­fah­rer einen Stopp des Ver­kehrs­flus­ses von 20 Minu­ten wohl kaum gou­tie­ren würde.

Mit den kom­men­den Som­mer­spie­len von 2020 ist die Hoff­nung gross, dass die Visi­on der Bür­ger­grup­pe den­noch zustan­de kommt. Zumin­dest wird die Kachi­do­ki­ba­shi dann mit 80 Jah­ren Ver­spä­tung doch noch ihren ursprüng­li­chen Zweck als Tor zu den Spie­len erfül­len. Denn ein Teil der Mega-Ver­an­stal­tung wird in der Tokio­ter Bucht stattfinden.

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