Foto: flickr/​U.S. Embas­sy TokyoShin­zo Abe bei einer Rede in Har­vard im April 2015.

Am 27. Mai 2016 besuch­te Barack Oba­ma als ers­ter amtie­ren­der US-Prä­si­dent Hiro­shi­ma – die Stadt, die am 6. August 1945 durch den Abwurf einer US-Atom­bom­be zer­stört wur­de. Rund 90’000 Men­schen star­ben damals auf der Stel­le. Wei­te­re 90’000 bis 160’000 star­ben an den Spät­fol­gen. Drei Tage spä­ter folg­te der Atom­bom­ben­an­griff auf Naga­sa­ki. Eine Woche spä­ter war der Zwei­te Welt­krieg zu Ende. Oba­mas herz­li­che Tref­fen mit zwei Über­le­ben­den der Atom­bom­be wur­de in Japan als ein­drück­li­che his­to­ri­sche Ges­te der Ver­söh­nung ange­se­hen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Nun hat der japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe einen Gegen­be­such ange­kün­digt, wie NHK News berich­tet. Er wer­de am 26. und 27. Dezem­ber beim Gip­fel­tref­fen mit Prä­si­dent Oba­ma auf Hawaii, Pearl Har­bor besu­chen; dort, wo das japa­ni­sche Mili­tär am 7. Dezem­ber 1941 die US-Pazi­fik­flot­te angriff. 2403 Ame­ri­ka­ner star­ben damals, wei­te­re 1100 Per­so­nen wur­den ver­wun­det. Die USA tra­ten dar­auf­hin in den Zwei­ten Welt­krieg ein.

Es ist laut dem Auss­sen­mi­nis­te­ri­um das ers­te Mal über­haupt, dass ein amtie­ren­der japa­ni­scher Regie­rungs­chef nach Pearl Har­bor rei­sen wird. (Update: In den 50ern waren schon ande­re Pre­miers in Pearl Har­bor, mehr dar­über im Arti­kel vom 26. Dezem­ber 2016). In einer Erklä­rung beton­te der Pre­mier, dass er für die See­len der Ver­stor­be­nen beten wer­de. Die Tra­gö­die des Krie­ges dür­fe siche nie mehr wie­der­ho­len. Gleich­zei­tig wol­le er der Welt, die Bedeu­tung der Alli­anz und der Ver­söh­nung zwi­schen den USA und Japan auf­zei­gen. Es sei eine Alli­anz der Hoff­nung, die es wei­ter zu ver­tie­fen gelte.

Der rich­ti­ge Mann

Bereits nach Oba­mas Hiro­shi­ma-Rei­se gab es aus japa­ni­schen Regie­rungs­krei­sen ers­te Andeu­tun­gen, dass Abe womög­lich nach Pearl Har­bor rei­sen wer­de. Anfäng­lich ver­warf der Pre­mier jedoch die­se Idee (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Offen­bar hat er laut eige­nen Anga­ben nun doch schon län­ger mit dem Gedan­ken eines Gegen­be­suchs gespielt. Beim APEC-Tref­fen in Lima im Novem­ber habe er schliess­lich mit Oba­ma ent­schie­den, einen gemein­sa­men Besuch in Pearl Har­bor abzu­stat­ten. Abe hat erklärt, dass das letz­te Gip­fel-Tref­fen ein Höhe­punkt der Zusam­men­ar­beit mit dem schei­den­den US-Prä­si­den­ten bil­den soll. Gleich­zei­tig kann die Ges­te als ein wei­te­rer Ver­such ange­se­hen wer­den, die künf­ti­gen Bezie­hun­gen mit Oba­mas Nach­fol­ger Donald Trump früh­zei­tig auf eine sta­bi­le Basis zu stellen.