Als die US-Japa­ner inter­niert wurden

Screen­shot: goog​le​.comAuf der Goog­le-Sei­te vom 30. Janu­ar 2017: Fred Kore­matsu mit der Frei­heits­me­dail­le und den dama­li­gen ame­ri­ka­ni­schen Inter­nie­rungs­la­gern im Hintergrund.

«Nie­mand darf weg­ge­sperrt wer­den, nur weil er die glei­che Ras­se, Eth­nie oder Reli­gi­on wie ein Ter­ro­rist oder ein Spi­on besitzt. Wenn wir die­se Lek­ti­on von der Inter­nie­rung der japa­nisch­stäm­mi­gen Ame­ri­ka­ner im Zwei­ten Welt­krieg nicht gelernt haben, dann sind es gefähr­li­che Zei­ten für unse­re Demo­kra­tie.» Die­se mah­nen­den Wor­te stam­men von Fred Kore­matsu aus dem Jahr 2004. Sie sind aktu­el­ler denn je.

Das Por­trät die­ses ame­ri­ka­ni­schen Hel­den zier­te am 30. Janu­ar die Home­page der ame­ri­ka­ni­schen Goog­le-Sei­te. Es mag kein Zufall gewe­sen sein. Der Tech-Gigant ist einer der gröss­ten Kri­ti­ker der von US-Prä­si­dent Donald Trump erlas­se­nen Ein­rei­se­sper­re gegen Bür­ger von 7 mus­li­mi­schen Staa­ten, die welt­weit für Empö­rung sorgt. Mit­grün­der Ser­gey Brin nahm gar höchst­per­sön­lich an einer Anti-Trump-Demo im Flug­ha­fen von San Fran­cis­co teil.

Kampf für Gerechtigkeit

Das Schick­sal von Fred Kore­matsu ist ein Beweis dafür, wie gefähr­lich und fol­gen­schwer die will­kür­li­che Poli­tik der Aus­gren­zung von Men­schen auf­grund ihrer Eth­nie, Reli­gi­on oder Natio­na­li­tät ist. 

Kore­matsu wur­de 1919 als Sohn japa­ni­scher Ein­wan­de­rer im kali­for­ni­schen Oak­land gebo­ren. Im Mai 1942, nicht ein­mal ein Jahr nach Pearl Har­bor, erliess der dama­li­ge US-Prä­si­dent Fran­k­lin D. Roo­se­velt ein Dekret, das zur Fol­ge hat­te, dass über 115’000 Men­schen japa­ni­schen Ursprungs, die an der US-Pazi­fik­küs­te leb­ten, in Inter­nie­rungs­la­ger ins Lan­des­in­ne­re ver­legt wur­den. Sie gal­ten für die Zeit des Krie­ges als Staats­fein­de, obwohl über 60 Pro­zent von ihnen den ame­ri­ka­ni­schen Pass besas­sen und seit Gene­ra­tio­nen in den USA gelebt hatten.

Auch der damals 23-jäh­ri­ge Fred Kore­matsu wur­de auf­ge­for­dert, sich bei den Behör­den zu mel­den. Er wei­ger­te sich und tauch­te ab. Für Kore­matsu war die­se ver­ord­ne­te Aus­gren­zung ein Akt gegen die von den USA hoch­ge­hal­te­nen Frei­hei­ten. Lan­ge konn­te er sich nicht ver­ste­cken. Er wur­de ver­haf­tet und in ein Inter­nie­rungs­la­ger im Bun­des­staat Utah gesperrt. Kore­matsu kämpf­te mit allen recht­li­chen Mit­teln gegen die­se Vor­ver­ur­tei­lung der japa­nisch­stäm­mi­gen Ame­ri­ka­ner. Sein Fall ging bis vor das Obers­te Gericht. Er ver­lor. Die Rich­ter argu­men­tier­ten, dass eine sol­che Mass­nah­me zwar ver­fas­sungs­mäs­sig frag­wür­dig, in Zei­ten der Gefahr jedoch gerecht­fer­tigt sei.

Die spä­te Rehabilitation

Nach dem Krieg kamen Kore­matsu wie auch allen ande­ren Inter­nier­ten frei. Kore­matsu grün­de­te eine Fami­lie. Sei­ne Ent­täu­schung über den Umgang der USA mit den Japan-Ame­ri­ka­nern blieb. Lan­ge sprach er jedoch nicht über das dunk­le Kapitel. 

Erst dreis­sig Jah­re spä­ter folg­te ein Umden­ken auf höchs­ter Ebe­ne. Prä­si­dent Gerald Ford been­de­te offi­zi­ell das Dekret und ent­schul­dig­te sich gegen­über allen Betrof­fe­nen von damals. 1983 wur­de das Urteil gegen Kore­matsu gekippt. 1988 unter­zeich­ne­te Prä­si­dent Ronald Rea­gan den Civil Liber­ties Act, der zur end­gül­ti­gen Reha­bi­li­ta­ti­on wur­de. Jeder noch leben­de ehe­ma­li­ge Inter­nier­te wur­de ent­schä­digt. Die Regie­rung erklär­te das dama­li­ge Dekret als eine Ent­schei­dung, die auf «ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­len, Kriegs­hys­te­rie und einem Ver­sa­gen der poli­ti­schen Füh­rung» basierte.

1998 ver­lieh Prä­si­dent Bill Clin­ton Fred Kore­matsu für des­sen Kampf für Gerech­tig­keit die Pre­si­den­ti­al Medal of Free­dom, eine der höchs­ten zivi­len Aus­zeich­nun­gen des Lan­des. Kore­matsu setz­te sich für den Rest sei­nes Lebens gegen Ras­sis­mus und für die Ein­hal­tung der Ver­fas­sung ein. Er starb 2005 im Alter von 86 Jahren.

Der 30. Janu­ar gilt seit eini­gen Jah­ren in den Bun­des­staa­ten Kali­for­ni­en, Hawaii, Flo­ri­da und Vir­gi­na offi­zi­ell als «Fred Kore­matsu Day». Für Goog­le war es der pas­sen­de Moment, in die­sen unru­hi­gen Zei­ten Fred Kore­matsu auf der Home­page zu ehren. Die Erin­ne­rung an sein Leben, sei­nen Ein­satz für Gerech­tig­keit und sei­ne mah­nen­den Wor­te sind wich­ti­ger denn je.

Tap­fe­re Soldaten

Wie wider­sprüch­lich die­ser Erlass von 1942 war, bewies neben­bei auch das 442. Infan­te­rie-Regi­ment, das fast aus­schliess­lich aus 4000 Japan-Ame­ri­ka­nern bestand. Rund 3000 von ihnen stamm­ten aus Hawaii, der Rest wur­de aus Frei­wil­li­gen, die in den Inter­nie­rungs­camps waren, zusam­men­ge­setzt. In Hawaii, wo fast ein Vier­tel der Bevöl­ke­rung japa­ni­schen Ursprungs war, wur­de auf dras­ti­sche Mass­nah­men wie an der Pazi­fik­küs­te verzichtet.

Im Zwei­ten Welt­krieg kämpf­te das 442. Infan­te­rie-Regi­ment in Ita­li­en, Süd­frank­reich und Deutsch­land. Sei­ne Sol­da­ten befrei­ten die fran­zö­si­sche Stadt Bruyè­res und ret­te­te eine Grup­pe von 275 texa­ni­schen Sol­da­ten aus der Umkrei­sung der Deut­schen. Mit 21 Tap­fer­keits­me­dail­len wur­de es zum meist aus­ge­zeich­ne­ten Regi­men­ten der US-Militärgeschichte. 

«Ihr habt nicht nur den Feind bekämpft, son­dern auch Vor­ur­tei­le. Und ihr habt obsiegt», lob­te US-Prä­si­dent Har­ry Tru­man mit einem offi­zi­el­len Emp­fang das 442. Regi­ment nach dem Krieg (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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