Foto: wiki­me­dia / Wolf­gang­Mi­chelMön­che auf dem Kōyasan.

Einst war die Tem­pel­über­nach­tung für die bud­dhis­ti­schen Mön­che und Pil­ger vor­ge­se­hen. Heu­te zieht Shu­ku­bō, wie die­se Form der Blei­be auf Japa­nisch heisst, immer mehr Tou­ris­ten an (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Das bekann­tes­te Bei­spiel ist der Berg Kōya in der Prä­fek­tur Waka­y­a­ma. Der UNESCO geschütz­te Ort zählt 117 Tem­pel, wovon 52 Shu­ku­bō anbie­ten. In die­ser spe­zi­el­len Umge­bung hat man die Gele­gen­heit, die tra­di­tio­nel­le japa­ni­sche Kul­tur noch inten­si­ver zu erle­ben. Für man­che aus­län­di­sche Tou­ris­ten ist es gar das ulti­ma­ti­ve Japan-Erle­b­­nis, bei man den früh­mor­gend­li­chen Gebe­ten oder den Zazen-Medi­­ta­­ti­on­s­­übun­­gen bei­woh­nen darf. Ent­spre­chend haben sich die Shu­ku­bō-Über­nach­tungs­zah­lun­gen von aus­län­di­schen Gäs­ten auf dem Kōyas­an inner­halb von 3 Jah­ren von 19‘000 auf 56‘000 ver­drei­facht, wie die Nik­kei Shim­bun berichtet. 

Für die Mön­che ist der Auf­wand ent­spre­chend gross. So gross, dass einer nun beim Bezirks­ge­richt von Waka­y­a­ma Kla­ge wegen Über­ar­bei­tung ein­ge­reicht hat. Der Mönch arbei­te­te zwi­schen 2008 und 2016 in einem Tem­pel, wo er sich um die Gäs­te küm­mer­te und ande­ren Auf­ga­ben nach­ging. 2015 muss­te er ein­mal 64 Tage und ein wei­te­res Mal 32 Tage hin­ter­ein­an­der arbei­ten. Freie Tage gab es nicht. Ein Arbeits­tag fing jeweils um 5 Uhr mor­gens an und dau­er­te bis spät in die Nacht hin­ein. Der Mönch ent­wi­ckel­te dar­auf­hin Depres­sio­nen und muss­te 2016 sei­ne Arbeit auf­ge­ben. Er for­dert nun eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 8,6 Mil­lio­nen Yen (80‘000 Euro), wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Bei der Kla­ge geht es ihm vor dar­um, mit einem Tabu zu bre­chen. So wird die Arbeit des Mönchs aus­schliess­lich als geis­ti­ge und kör­per­li­che Aus­bil­dung ange­se­hen. Über das The­ma Über­ar­bei­tung wird daher kaum gespro­chen, selbst wenn ein Mönch fak­tisch in einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis mit dem Tem­pel lebt. 

Der Tod durch Überarbeitung

In der nor­ma­len japa­ni­schen Arbeits­welt wird die­se Pro­ble­ma­tik seit eini­gen Jah­ren ver­mehrt öffent­lich the­ma­ti­siert (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Fäl­le von Über­ar­bei­tung, die zum Tod geführt haben (jap. karo­shi), kön­nen dem Anse­hen einer Fir­ma inzwi­schen gar schwer scha­den, wie dies 2016 mit der renom­mier­ten Wer­be­agen­tur Dentsu geschah (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die staat­li­chen Behör­den haben das Pro­blem erkannt und ver­su­chen mit gutem Bei­spiel vor­an­zu­ge­hen, indem sie Über­stun­den in der Büro­kra­tie mög­lichst zu ver­hin­dern ver­su­chen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Und trotz­dem gibt es noch viel zu tun. Denn die Kul­tur der stän­di­gen Prä­senz und Bereit­schaft am Arbeits­platz ist an zu vie­len Orten noch immer wie selbst­ver­ständ­lich Teil der japa­ni­schen Wirt­schafts­welt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).