Die Was­ser­schlacht vor Senkaku

Screen­shot: youtube/​boxfjEine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen tai­wa­ni­schen und japa­ni­schen Schiffen.

(jak/ma) Was die chi­ne­si­schen Fischer letz­te Woche ankün­dig­ten, haben die tai­wa­ni­schen Kol­le­gen nun voll­führt. Mit rund 40 Fischer­boo­ten und 8 Patrouil­len­boo­ten sind sie die Gewäs­ser der umstrit­te­nen Sen­ka­ku-Insel­grup­pe eingedrungen.

Die japa­ni­sche Küs­ten­wa­che reagier­te umge­hend. Mit Was­ser­wer­fen grif­fen die rund 21 Schif­fe der japa­ni­schen Sei­te an an. Tai­wans Patrouil­le ant­wor­te­te mit den glei­chen Mit­teln, bevor sich alle sei­ne Schif­fe und Fischer­boo­te zurück­zo­gen. Rund 4 Stun­den dau­er­ten die unge­wöhn­li­chen Schar­müt­zel, wie die Nik­kei Shim­bun berichtet.

Was die Anzahl der Fischer­boo­te betrifft, unter­schei­den sich Tai­wans Medi­en von den japa­ni­schen Berich­ten. So schreibt die tai­wa­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur CNA von 75 tai­wa­ni­schen Fischer­boo­ten und 12 Patrouil­len­schif­fen, die für ihr Recht in den Gewäs­sern zu fischen, protestierten.

Eine Schlacht mit Mega­pho­nen und Flutlicht

Die Bou­le­vard­zei­tung Apple Dai­ly, die wie ande­re tai­wa­ni­sche Medi­en mit eige­nen Repor­tern vor Ort war, mach­te die Geschich­te gross auf, beschrieb den Ablauf der See­schlacht aus­führ­lich. Wang Chung-yi der tai­wa­ni­schen Küs­ten­wa­che sag­te gegen­über Radio Tai­wan Inter­na­tio­nal, die Japa­ner hät­ten mit Mega­pho­nen, Was­ser­wer­fern und Flut­licht die tai­wa­ni­schen Fischer ver­trei­ben wollen.

Tai­wans Küs­ten­wa­che habe dar­auf mit den sel­ben Mit­teln geant­wor­tet. Man habe den Japa­nern klar machen wol­len, dass die Küs­ten­wa­che Tai­wans Bür­ger beschüt­ze und die japa­ni­schen Schif­fe, die Gewäs­ser sofort ver­las­sen müssten.

Bereits letz­te Woche kün­dig­ten 1000 chi­ne­si­sche Fischer an, in den Sen­ka­ku-Inseln ihrer Arbeit nach­zu­ge­hen zu wol­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Am Ende blieb es bei einem kur­zen Auf­tau­chen der chi­ne­si­schen Patrouil­le in den umstrit­te­nen Gewässern.

Screen­shot: CTSEs blieb bei Was­ser­wer­fern: Waf­fen wie die­se auf einem Schiff der tai­wa­ni­schen Küs­ten­wa­che kamen nicht zum Einsatz.

Lob von Prä­si­dent Ma

Wie Chi­na und Japan betrach­tet auch Tai­wan die Insel­grup­pe als Teil sei­ner Sou­ve­rä­ni­tät. Die Akti­on der Fischer­boo­te über­rascht den­noch. Denn bis­lang hielt sich Tai­peh aus den grös­se­ren Strei­tig­kei­ten heraus.

Prä­si­dent Ma Ying-jeou schlug Anfang August gar vor, die Erschlies­sung der ver­mu­te­ten Gas­res­sour­cen bei den Sen­ka­ku-Inseln gemein­sam anzu­ge­hen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Auf die Sou­ve­rä­ni­täts­an­spra­che will jedoch auch Ma nicht ver­zich­ten. Das Vor­ge­hen der tai­wa­ni­schen Fischer bezeich­ne­te er als «patrio­ti­schen Akt». Seit 1996 stos­sen tai­wa­ni­sche Fischer­boo­te regel­mäs­sig bis in die Zone der Sen­ka­ku-Inseln vor.

Gesprä­che in Beijing

Japan der­weil ver­ur­teil­te die Akti­on, beton­te jedoch gleich­zei­tig die freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zu Tai­wan. Der japa­ni­sche Vize-Aus­sen­mi­nis­ter Chi­kao Kawai hat sich der­weil in Bei­jing zu Gesprä­chen getroffen.

Einen Tag zuvor hat­te Chi­na die Fei­ern zur 40-jäh­ri­gen Nor­ma­li­sie­rung der diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen mit Japan abge­sagt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Strei­tig­kei­ten zwi­schen den bei­den Län­der ent­fach­ten end­gül­tig, als Japans Pre­mier Yoshi­hi­ko Noda aus innen­po­li­ti­schem Druck am 11. Sep­tem­ber 3 Sen­ka­ku-Inseln von pri­va­ter in staat­li­che Hand über­führ­te. Zuvor waren sie im Besitz der japa­ni­schen Fami­lie Kuriha­ra (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Viel Innen­po­li­tik

Im Kon­flikt zwi­schen den Japan und Chi­na steckt viel Innen­po­li­tik. Es wird ange­nom­men, dass bereits nächs­ten Monat Chi­nas Prä­si­dent Hu Jin­tao als Par­tei­füh­rer abtre­ten wird. Auf ihn wird aller Vor­aus­sicht nach Xi Jin­ping fol­gen. In Japan kämpft der­weil Pre­mier­mi­nis­ter Yoshi­hi­ko Noda um poli­ti­sche Zustim­mung. Neu­wah­len wer­den spä­tes­tens im Früh­jahr 2013 erwartet.

Weder für die Regie­rung Bei­jing noch für die in Tokio sind es Zei­ten, Schwä­che zu zei­gen. Das kann inter­na­tio­na­le Fol­gen haben.

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