Selbst­mord mit Folgekosten

Foto: wikimedia/​Kih­kyefEin Zug der Yama­no­te-Linie in Tokio nach einem Selbstmordversuch.

Tokio unter­hält das welt­weit dich­tes­te Bahn­netz. Jeden Mor­gen sind die Züge, wel­che die Pend­ler zur Arbeit fah­ren, zum Bers­ten voll. Sie sind die Lebens­ader der japa­ni­schen Wirtschaft.

Ver­spä­tun­gen oder Unfäl­le kön­nen die gut geöl­te Maschi­ne­rie gehö­rig ins Sto­cken brin­gen. Die Ansprü­che an die Bahn­be­trei­ber sind hoch. Ent­spre­chend zuver­läs­sig wer­den Vor­komm­nis­se und selbst kleins­te Ver­spä­tun­gen von den Bahn­be­trie­ben schnell und effi­zi­ent kommuniziert.

So kam es ges­tern zu einem Zwi­schen­fall, als ein Zug­füh­rer der Tokio­ter Gin­za-U-Bahn­li­nie kurz vor 9 Uhr über hef­ti­ge Magen­schmer­zen klag­te, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Der Ange­stell­te muss­te not­fall­mäs­sig ins Kran­ken­haus gefah­ren wer­den. Die Gin­za-Linie wur­de zwi­schen­zeit­lich gestoppt. 33 Minu­ten nach dem Vor­fall wur­de der Betrieb wie­der auf­ge­nom­men. 24’000 Pas­sa­gie­re kamen dadurch ver­spä­tet an ihr Ziel. Auch die­se Zahl wird von der Betrei­bern stets zuver­läs­sig nachgeliefert.

Selbst­mord im Bahnhof

Dass Tokios über­las­te­tes Bahn­netz wegen Bauch­schmer­zen eines Ange­stell­ten ins Sto­cken gerät, gehört noch zur harm­lo­sen Kate­go­rie. Denn die häu­figs­te aus­ser­be­trieb­li­che Ursa­che für Unter­brü­che und Ver­spä­tun­gen sind Selbst­mor­de. 2008 kam es laut Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um zu 647 Selbst­mord­ver­su­chen in Bahn­hö­fen und bei Bahn­über­gan­gen in Japan, 547 davon ende­ten töd­lich. Allei­ne 388 Fäl­le ereig­ne­ten sich in Tokio. Damit kommt es sta­tis­tisch gese­hen täg­lich zu einem Sui­zid­ver­such im öffent­li­chen Ver­kehrs­netz der Hauptstadt.

Ent­spre­chend regel­mäs­sig berich­ten die japa­ni­schen Zei­tun­gen von sol­chen Zwi­schen­fäl­le. Erst letz­te Woche warf sich laut Nishi Nip­pon Shim­bun ein Mann in Kobe vor den Zug, was zur Fol­ge hat­te, dass 46 Züge und rund 73’000 Pas­sa­gie­re bis zu 76 Minu­ten Ver­spä­tung hatten.

Hin­ter­blie­be­ne zur Kas­se gebeten

Den Bahn­ge­sell­schaf­ten kom­men Selbst­mord­fäl­le teu­er zu ste­hen. Durch­schnitt­lich 89 Mil­lio­nen Yen (unge­fähr 650’00 Euro) kos­tet gemäss Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um eine durch Selbst­mord ver­ur­sach­te Bahn­stö­rung. Die­se Ent­wick­lung hat dazu geführt, dass seit ein paar Jah­ren die Ange­hö­ri­gen für den finan­zi­el­len Scha­den zur Kas­se gebe­ten wer­den kön­nen. Die Mass­nah­me soll als Abschre­ckung dienen.

Über die genau­en Beträ­ge, die gefor­dert wer­den, schwei­gen sich die meis­ten Bahn­be­trei­ber aus. Ein­zig die Bahn­ge­sell­schaft Kei­kyu, die Tokio mit Kawa­sa­ki, Yoko­ha­ma und Yoko­suka ver­bin­det, mach­te auf Anfra­ge von J-Cast eine unge­fäh­re Anga­be. Maxi­mal 1 Mil­li­on Yen (7311 Euro) wer­de bei den Hin­ter­blie­be­nen eingefordert.

Die Yama­no­te-Rund­li­nie setzt der­weil auf eine unkon­ven­tio­nel­len Prä­ven­ti­ons­mass­nah­me. In ihren Bahn­hö­fen fin­det man seit 2009 blaue LED-Lich­ter, wel­che poten­ti­el­le Selbst­mör­der von ihrem Vor­ha­ben, sich vor einen Zug zu wer­fen, abbrin­gen sol­len. Dem blau­en Licht wird eine beru­hi­gen­de Wir­kung nach­ge­sagt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Eine effi­zi­en­te­re Alter­na­ti­ve ist die Errich­tung von Schutz­wän­den an den Bahn­stei­gen, wel­che einen Sprung auf die Gelei­se gänz­lich ver­un­mög­li­chen. Die­se ver­gleichs­wei­se auf­wen­di­ge bau­li­che Mass­nah­me ist jedoch noch viel zu sel­ten zu sehen. 2012 waren gemäss Bizma​ko​to​.co​.jp gera­de mal 510 von ins­ge­samt 9611 Bahn­hö­fen in Japan mit Schutz­wän­den ausgerüstet.

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