Die Woh­nun­gen der Toten

Foto: Depo​sit​pho​tos​.comEin Wohn­block in Japan.

Aktua­li­siert am 5. 9. 2019 – Wür­den Sie in einer Woh­nung leben wol­len, in der der Vor­mie­ter Selbst­mord beging, durch einen Brand starb, ermor­det wur­de oder wäh­rend Tagen unbe­merkt tot in der Woh­nung lag? Für die Japa­ner ist die Ant­wort klar. Die­se Immo­bi­li­en wer­den gemie­den. Oder viel­leicht doch nicht?

Jiko Buk­ken, «ein Anwe­sen, in dem es zu einem Zwi­schen­fall gekom­men ist», nen­nen die Japa­ner sol­che Orte. In Japan gibt es unzäh­li­ge die­ser «stig­ma­ti­sier­ten Immo­bi­li­en». Und eini­ge davon haben der­art tra­gi­sche Berühmt­heit erlangt, dass die Woh­nun­gen nie wie­der ver­mie­tet wer­den können.

Man sagt, dass die Geis­ter der Toten in den Woh­nun­gen wei­ter­le­ben und die Nach­mie­ter ger­ne mal in der Nacht auf­su­chen. Im Inter­net kur­sie­ren zahl­rei­che Geschich­ten über unge­wöhn­li­che Vor­komm­nis­se in den soge­nann­ten Jiko Buk­ken. Ob man dar­an glaubt, ist eine ande­re Frage.

Der Schutz für den Mieter

Grund­sätz­lich hat der Ver­mie­ter die gesetz­li­che Pflicht, den ers­ten, direk­ten Nach­mie­ter einer stig­ma­ti­sier­ten Immo­bi­lie über Vor­fäl­le des Vor­mie­ters zu infor­mie­ren, selbst wenn die Geschich­te schon über Jah­re zurück­liegt. Meis­tens jedoch kommt der inter­es­sier­te Mie­ter der Sache selbst auf die Spur. Denn stig­ma­ti­sier­te Immo­bi­li­en wir­ken auf den ers­ten Blick attrak­tiv, viel zu attrak­tiv: bes­te Lage, kom­plett oder teil­wei­se reno­viert sowie ein spott­bil­li­ger Miet- oder Verkaufspreis.

Oft sind dies Indi­zi­en, die nahe­le­gen, beim Mak­ler bes­ser noch ein­mal nach­zu­fra­gen. Es kommt vor, dass die­ser einem die gan­ze Wahr­heit ver­schweigt. So gibt es ein paar Schlupf­lö­cher. Bei­spiels­wei­se kann ein Mak­ler die stig­ma­ti­sier­te Woh­nung für kur­ze Zeit fik­tiv an einen Ange­stell­ten oder eine Ver­trau­ens­per­son ver­mie­ten. Mit die­ser Metho­de fällt die Pflicht weg, den dar­auf fol­gen­den Nach­mie­ter über den unge­wöhn­li­chen Todes­fall zu unterrichten.

Die Kar­te des Grauens

Gewöhn­lich aber sind die Mak­ler ehr­lich. Denn das Risi­ko auf­zu­flie­gen, ist zu gross, gera­de im Zeit­al­ter des Inter­nets. Die Jiko Buk­ken sind ein Dau­er­bren­ner in den Foren. Aus­ser­dem infor­mie­ren Web­sites wie Oshi­ma Teru inzwi­schen pein­lich genau über unge­wöhn­li­che Todes­fäl­le in Woh­nun­gen und Häusern.

Mit Feu­er­zei­chen wer­den die stig­ma­ti­sier­ten Immo­bi­li­en auf Goog­le Map gekenn­zeich­net. Anhand von Zei­tungs­ar­ti­keln oder Poli­zei­be­rich­ten wird Buch geführt. Über 10’000 Jiko Buk­ken sind notiert. Gera­de die Zahl der älte­ren Men­schen, die ein­sam in ihren Woh­nun­gen ster­ben und deren Tod wäh­rend Mona­ten unbe­merkt bleibt, hat durch die Über­al­te­rung der Gesell­schaft zuge­nom­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der Boom der Jiko Bukken

Und trotz allem gibt es immer mehr Men­schen in Tokio, die bereit sind, in sol­che stig­ma­ti­sier­te Woh­nun­gen zu zie­hen, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Ja, gar ein klei­ner Boom sei zu ver­spü­ren. Die Jiko Buk­ken haben den Vor­teil, dass sie meis­tens nicht nur neu reno­viert, son­dern auch zur Hälf­te des gewöhn­li­chen Prei­ses zu haben sind. Aus­ser­dem erlässt der Mak­ler dem Mie­ter nicht sel­ten die teu­ren Zusatz­ge­büh­ren, die bei einem Ein­zug anfal­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Gera­de jün­ge­re Men­schen, die ohne­hin nicht über ein gros­ses Ein­kom­men ver­fü­gen, wür­den sich nicht mehr so stark um die womög­lich belas­te­te Ver­gan­gen­heit einer Woh­nung küm­mern. Auch die Rei­ni­gungs­me­tho­den sei­en heu­te viel bes­ser. Unan­ge­neh­me Gerü­che oder Spu­ren sei­en im Ver­gleich zu frü­her ein­fa­cher zu besei­ti­gen, zitiert die Mai­ni­chi Shim­bun einen Makler.

Am Ende sind es jedoch die wirt­schaft­li­chen Grün­de, die jeman­den zu einem Ein­zug bewe­gen. Es man­gelt an bil­li­gen Woh­nun­gen, gera­de in Tokio. Die Haupt­stadt ist eini­ge der weni­gen Orte in Japan, wo die Bevöl­ke­rungs­zahl noch wächst und die Mie­ten ent­spre­chend teu­er sind (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Und trotz anhal­ten­der wirt­schaft­li­cher Sta­gna­ti­on ist die Zahl der bil­li­gen, staat­li­chen Sozi­al­woh­nun­gen in der Haupt­stadt seit über zehn Jah­ren kon­stant geblie­ben. So wer­den für die Nied­rig­ver­die­ner die Woh­nun­gen der Toten zur inter­es­san­ten Option.

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