Screen­shot: dai​-ichi​-life​.co​.jpIm Büro des Ober­be­fehls­ha­bers: Kli­cken Sie auf das Foto für den vir­tu­el­len Bürorundgang.

Unweit des Bahn­hofs Tokio und des kai­ser­li­chen Palast­an­la­ge liegt der DN Tower 21. Im fünf­stö­cki­ge, his­to­ri­schen Gebäu­de die­ses Kom­ple­xes mit sei­nen mas­si­ven Stein­säu­len ist der Haupt­sitz der Dai­chi-Lebens­ver­si­che­rers und gleich­zei­tig eine der wich­tigs­ten his­to­ri­schen Stät­ten der Nach­kriegs­zeit. Hier wur­de Geschich­te geschrieben.

Denn in die­sem Gebäu­de, das den Krieg unver­sehrt über­stan­den hat­te, rich­te­te sich US-Gene­ral Dou­glas MacAr­thur am 15. Sep­tem­ber 1945 als Ober­be­fehl­ha­ber der Besat­zungs­trup­pen ein. Das Haus wur­de zum Haupt­quar­tier der alli­ier­ten Trup­pen umfunk­tio­niert. Den Ange­stell­ten von Dai-Ichi Life blie­ben nur 72 Stun­den Zeit um das Gebäu­de zu räu­men. «Aus­ser den Doku­men­ten dür­fen kei­ne Gegen­stän­de mit­ge­nom­men wer­den», hiess es in der ame­ri­ka­ni­schen Anord­nung. Drei Stun­den bevor die Ame­ri­ka­ner kamen, hat­te der letz­te Ange­stell­te das Gebäu­de verlassen.

Die gros­sen Entscheidungen

Im Büro des Prä­si­den­ten des Lebens­ver­si­che­rers, im sechs­ten Stock, rich­te­te sich Gene­ral MacAr­thur ein. Mehr als fünf Jah­re amte­te er hier und übte mass­geb­li­chen Ein­fluss auf die japa­ni­sche Nach­kriegs­ord­nung aus. Unter sei­ner Ägi­de wur­den das Tokio­ter Kriegs­ver­bre­cher­tri­bu­nal durch­ge­führt. Es war auch MacAr­thur, der sich ent­schied, Kai­ser Hiro­hi­to und sei­ne Fami­lie nicht anzuklagen.

Die japa­ni­sche Frie­dens­ver­fas­sung, die bis heu­te in Kraft ist, nahm im Dai-Ichi-Life-Gebäu­de ihren Anfang. Es waren jun­ge US-Offi­zie­re, die inner­halb von weni­gen Tagen einen Ent­wurf ver­fass­s­ten, nach­dem MacAr­thur den Vor­schlag der japa­ni­schen Regie­rung als unzu­rei­chend ver­wor­fen hatte.

Der Kriegs­ver­zichts­ar­ti­kel 9 wie auch die Degra­die­rung des Kai­sers vom Staats­ober­haupt zum Sym­bol ohne wei­te­re Funk­ti­on gehö­ren zu den Eck­pfei­lern die­ses Geset­zes­wer­kes, das bis heu­te für viel Kon­tro­ver­se in der japa­ni­schen Poli­tik sorgt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Rück­ga­be

Im April 1951 ver­liess Gene­ral MacAr­thur Japan, um die Trup­pen im Korea­krieg zu befeh­li­gen. Am 7. Juli 1952, ein paar Mona­te nach der Wie­der­erlan­gung der Sou­ve­rä­ni­tät Japans, wur­de das Gebäu­de an die Dai-Ichi Life zurück­ge­ge­ben. Seit­her ist das Gebäu­de, dem 1993 noch ein 21-stö­cki­ges Hoch­haus hin­zu­ge­fügt wur­de, wie­der der Haupt­sitz des Lebensversicherers.

Das 54 Qua­drat­me­ter gros­se Büro von Gene­ral MacAr­thur hat man im Ori­gi­nal­zu­stand bewahrt. Möbel wie der mas­si­ve Büro­stuhl und der Holz­tisch des Ober­beh­fehls­ha­bers sind immer noch an der glei­chen Stel­le. Auch der Emp­fangs­raum ist wie in der dama­li­gen Zeit erhal­ten geblieben.

Das Büro wird nur unre­gel­mäs­sig für Besu­cher geöff­net. Anfang August gab es in Geden­ken an das Kriegs­en­de vor 70 Jah­ren wie­der eine Gele­gen­heit. Es war das ers­te Mal seit 2012, das wie­der Füh­run­gen statt­fan­den. Um jedoch allen einen Ein­blick gewäh­ren zu kön­nen, gibt es die Mög­lich­keit eines vir­tu­el­le Rund­gangs im Internet.