News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Japans Schwertschmiedekunst

Darstellung eines Schwertschmieds in der Edo-Zeit. (Bild: wikimedia / Rama)

Darstellung eines Schwertschmieds in der Edo-Zeit. (Bild: wikimedia / Rama)

Katana heisst das traditionelle japanische Schwert, das bis zum Ende der Edo-Zeit 1868 die am meisten verbreitete Kriegswaffe und zugleich das Statussymbol der Samurai war. Denn nur die japanische Kriegerklasse hatte das Recht, ein Katana zu besitzen und zu tragen. Die Herstellung eines solchen Schwerts ist eine Kunst für sich und dauert mehrere Wochen. Zahlreiche Arbeitsschritte sind notwendig, um die notwendige Härte und Schärfe der Klinge zu erzeugen. Mehrere Spezialisten sind an dieser Produktion beteiligt.

Mit Beginn der japanischen Modernisierung 1868 verlor das Katana an Bedeutung. Die Samurai-Klasse wurde abgeschafft und ab 1876 war das Tragen dieser Waffe im öffentlichen Raum verboten. Viele Schwertschmiede-Familien sattelten um und begannen Küchenmesser und andere Utensilien für den Alltag herzustellen.

Mit dem Aufstiegs des Militärs kam dieses Statussymbol wieder auf. Japanische Offiziere trugen sogenannte Guntō, Militärschwerter. Dabei handelte sich jedoch oft um Massenprodukte von minderer Qualität. Die Kriegsniederlage 1945 führte schliesslich zu einem kompletten Produktionsverbot bis 1953. Schwerter der Armee wurden konfisziert und zerstört.

Strenge Auflagen

Erst als die US-Besatzungszeit endete, wurde die traditionelle Schwertschmiedekunst als Teil des Kulturerbes wieder zugelassen, dies jedoch unter strengen Auflagen. Ein Handwerker braucht hierfür gemäss Oricon News eine mindestens 5-jährige Ausbildung. Ein Lohn darf dabei nicht bezahlt werden. Ausserdem ist eine Lizenz des Staates notwendig. Hierzu bedarf es einer 8-tägigen Prüfung. Um eine Werkstatt aufzubauen, muss man mit Investitionskosten von 10 Millionen Yen (78’000 Euro) rechnen.

Die Zahl der Schwerter, die ein Meister monatlich produzieren darf, ist zudem limitiert. Ausserdem müssen alle Katana bei den Behörden registriert werden. Denn bis heute hat Japan eines der strengsten Waffengesetze des Landes (Asienspiegel berichtete). So dürfen Messer, die eine längere Klinge haben als 8 Zentimeter, nicht auf der Strasse getragen werden.

Nur noch wenige Meister

Alle diese Umstände haben dazu geführt, dass die Meister dieses Fachs immer weniger werden. Gemäss Oricon News existierten 1989 noch 300 Schwertschmiede in Japan. Heute sind es gerade noch 188. Viele davon sind jedoch im hohen Alter. Und genau dies ist ein grosses Problem.

Denn eigentlich erlebt das Katana dank der Zunahme an ausländischen Touristen und der Beliebtheit der Anime, in denen Schwerter vorkommen, zurzeit einen neuen Boom (Asienspiegel berichtete). Auch das Interesse an einer Ausbildung zum Schwertschmied hat offenbar zugenommen. Doch immer weniger Meister bieten eine entsprechende Schulung an. Ein Ausweg aus dieser Sackgasse gibt es bislang nicht. Und so werden die japanischen Schwerter, die nach traditioneller Weise hergestellt wurden, immer mehr zu einer Rarität.

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