News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Japans Praktikumsvisum

Japan benötigt dringend Arbeiter. (Foto: flickr/ Richard West)

Japan benötigt dringend Arbeiter. (Foto: flickr/ Richard West)

Japans gigantischer Wirtschaft gehen die Arbeitskräfte aus. Jede vierte Person ist inzwischen über 65 Jahre alt, die Geburtenrate anhaltend tief (Asienspiegel berichtete). Um die Lücke zu füllen, setzen zahlreiche Branchen zunehmend auf die Frauen (Asienspiegel berichtete), die Austauschstudenten (Asienspiegel berichtete) und insbesondere auch auf Ausländer, die mit einem speziellen Praktikumsvisum nach Japan kommen.

Dieses Programm (jap. gaikokujin ginōjisshū seidō) wurde 1993 ins Leben gerufen. Die Idee dahinter war, dass Menschen aus Schwellenländern für drei Jahre zum Niedriglohn in Japan arbeiten dürfen. Im Gegenzug erhalten sie wertvolles Wissen über Japans Wirtschaft und Technologien, von dem sie nach der Rückkehr in die Heimat profitieren sollen. So lautet zumindest die offizielle Lesart.

Faktisch arbeiten jedoch viele von ihnen zum Billiglohn auf Baustellen, in Fabriken und in Branchen, wo nicht unbedingt spezialisierte Fähigkeiten notwendig sind. Anstatt Fachkräfte auszubilden, werden vielmehr Gastarbeiter angestellt. Ausserdem ist der schlechte Umgang mit vielen dieser Arbeitern seit Jahren ein offenes Geheimnis (Asienspiegel berichtete). Knebelverträge, Überstunden, schlechte Wohnverhältnisse, nicht bezahlte Löhne, Isolierung vom gesellschaftlichen Leben und der Entzug der Reisepässe sind typische Missbräuche. Alleine im letzten Jahr wurde bei 239 Firmen solche Fälle aufgedeckt.

Schon über 250’000 Praktikanten

Trotzdem setzt die Regierung so stark wie noch nie auf dieses Praktikumsprogramm. 2017 waren gemäss Asahi Shimbun über 250’000 ausländische Praktikanten in Japan tätig. So viele wie noch nie. Die meisten Arbeiter sind gemäss Jiji News aus Vietnam, China, Indonesien, Thailand und den Philippinen.

Nun wird das Programm sogar noch erweitert. Künftig soll es bis zu 5 Jahre Gültigkeit haben. Auf die arbeits- und menschenrechtliche Kritik hat die Regierung nun mit einem neuen Gesetz reagiert, das die Arbeiter besser schützen soll. Eine neu geschaffene Organisation wird das Programm strenger beaufsichtigen und die Firmen mit Besuchen vor Ort kontrollieren.

Ausserdem müssen die Arbeitgeber künftig beweisen, dass sie den Praktikanten denselben Lohn wie den japanischen Mitarbeitern bezahlen. Die Arbeitsstunden werden genau dokumentiert. Der gesamte Arbeitsplan des Praktikanten muss zudem von der neuen Aufsichtsorganisation bewilligt werden. Sollte die Angestellten ihrer freien Bewegung eingeschränkt oder der Pass entzogen werden, droht den zuständigen Firmen eine Strafe und der Entzug der Lizenz.

Die Zweifel bleiben

Das Gesetz ist ein erster wichtiger Schritt in der Bekämpfung des Missbrauchs dieses Systems. Die Kritik bleibt. Das Gesetz sei zu schnell durchgeboxt worden, wird bemängelt. Ausserdem müsse zuerst das strukturelle Problem hinter diesen Missbräuchen verstanden und gelöst werden. Gleichzeitig ist es im Interesse Japans, die neuen Vorgaben streng umzusetzen. Denn bald schon stehen die Sommerspiele 2020 an. Japan möchte sich dann von seiner besten Seite zeigen.

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