Foto: flickr / MIKI Yoshi­hi­toIn einem Con­ve­ni­en­ce Store in Sapporo.

In Japan legt man viel Wert auf Höf­lich­keit. Das ist das Bild, das vie­le Japan-Besu­cher haben. Seit Jah­ren fällt mir jedoch auf, dass sich zwar die Ange­stell­ten in den Mini­märk­ten pflicht­be­wusst bedan­ken. Der Kun­de bleibt jedoch nicht sel­ten still. Mit der Tüte in der Hand ver­schwin­det er wort­los aus dem Laden. Und tat­säch­lich zeigt sich, dass sich vie­le Japa­ner in die­ser Fra­ge über­haupt nicht einig sind, wie J-Cast News berich­te­te. Bedankt man sich als Kun­de, oder lie­ber doch nicht? 

So beob­ach­te am 10. Febru­ar 2018 Twit­ter-User @tamayan22, wie sich ein High­school-Schü­ler beim Kas­sie­rer mit «Ari­ga­to gozai­ma­su» höf­lich bedank­te. Die Ant­wort des Freun­des war: «Wie pein­lich, dass du dich beim Ange­stell­ten bedankst!» User @tamayan22 schrieb in einem Twit­ter-Post über die­se Beob­ach­tung und mein­te, pein­lich sei eigent­lich nur, dass der Freund das Dan­ke­schön an den Ange­stell­ten als pein­lich emp­fin­det (sie­he Tweet unten). Über 33’000 Ret­weets gab es dafür und unzäh­li­ge Kom­men­ta­re. Vie­le teil­ten die­se Mei­nung. Es sei doch selbst­ver­ständ­lich, dass man «ari­ga­to» sage. Ande­re gaben zu, dass sie sich eigent­lich auch nie wirk­lich bedan­ken würden. 

Nicht alle sagen «Ari­ga­to» im Minimarkt

Und tat­säch­lich scheint es dies­be­züg­lich, wie bei den bei­den High­school-Schü­lern, unter­schied­li­che Hal­tun­gen zu geben. In einer nicht reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge von 2015 auf der Web­site Myna­vi Gakus­ei no Mado­gu­chi wur­den 349 Per­so­nen zwi­schen 20 und 77 Jah­ren befragt, ob sie im Mini­markt «ari­ga­to» sagen. Gan­ze 39,6 Pro­zent mein­ten, dass sie sich gar nie oder fast nie bedan­ken wür­den. Der rest­li­chen Ant­wor­ten vari­ier­ten von «manch­mal» über «fast immer» bis zu «immer».

Eine wei­te­re Umfra­ge unter 157 Stu­den­ten im Jahr 2016 ergab ein ähn­li­ches Bild. 36,9 Pro­zent bedan­ken sich nicht, 63,1 Pro­zent tun es. Die Grün­de des «Anti-Arigato»-Lagers sind unter­schied­lich. Man­che mei­nen, es sei ein­fach müh­sam. Ande­re fin­den, es sei­en doch ganz ein­fa­che Ein­käu­fe ohne gros­se Müh­sal für den Ange­stell­ten. Es hand­le sich dabei nicht um eine spe­zi­el­le Dienst­leis­tung, die man erhal­te. Man wol­le schnell nach Hau­se, ist eine wei­te­re Begrün­dung für die feh­len­den Wor­te. Es gibt auch die Per­so­nen, die fin­den es sei ihnen ein­fach pein­lich «ari­ga­to» zu sagen. 

Einig sind sich in die­ser Fra­ge schein­bar nur die Ange­stell­ten der Con­ve­ni­en­ce Stores. In der Umfra­ge von 2015 mein­ten alle 30 befrag­ten Mit­ar­bei­ter, dass sie sich über ein Dan­ke­schön natür­lich freu­en würden. 

Auch «Sayo­na­ra» ist nicht mehr in Mode

Eine ähn­li­che Dis­kus­si­on gab es auch schon bei einem ande­ren Wort. So kommt «Sayo­na­ra», das klas­si­sche Wort für «Auf Wie­der­se­hen», schon län­ger aus der Mode zu kom­men, weil es für vie­le etwas End­gül­ti­ges hat, so als wür­de man sich nie wie­der sehen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Für die Jugend­li­chen ist das Wort wie­der­um zu for­mell. Viel lie­ber drückt man sich heut­zu­ta­ge beim Abschied unter Freun­den in einer Art aus, in der die Hoff­nung auf ein wei­te­res Tref­fen mit­schwingt, wie «Mata ne» («Bis mor­gen!»), «Ja ne» («Bis dann!»), «Bai­bai» («Bye bye») oder «Mata kondo/​Kon­do ne» («Bis zum nächs­ten Mal»).