Japans lei­den­de «Nomikai»-Kultur

VTT Stu­dio / Shut​ter​stock​.comHier fühlt sich der Sala­ry­man wohl: In einem Mikro-Restau­rant in Shinjuku.

In Japan gehört der Alko­hol­kon­sum zum guten Ton. Spe­zi­ell das Fei­er­abend­bier und -essen mit Kol­le­gen und Vor­ge­setz­ten ist ein Ritu­al, das fest in die Arbeits­welt ein­ge­bet­tet ist. Im beschwips­ten Zustand fällt die Kon­ver­sa­ti­on bekannt­lich leich­ter. Es ist zugleich das Schmier­mit­tel für den Auf­bau wich­ti­ger Bezie­hun­gen. Die­se Trink­kul­tur beginnt im Stu­den­ten­al­ter und setzt sich durch das gesam­te Arbeits­le­ben fort. In soge­nann­ten Nomi­kai, den «Trinkanläs­sen», wird nur zu ger­ne einen über den Durst getrunken. 

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Der Abend endet aber nicht hier. Nicht sel­ten folgt das Niji­kai, die Anschluss­fei­er, bei der man nach dem obli­ga­ten Trin­ken mit den Kol­le­gen wei­ter­zieht. Unter der Woche sind die Restau­rants und Bars in den Städ­ten ent­spre­chend aus­ge­las­tet. Mit der Coro­na-Kri­se kommt die­se Kul­tur jedoch unter Druck. 

Das Nacht­le­ben in der Kritik

In den ver­gan­ge­nen Mona­ten wur­de in Japan das Nacht­le­ben zu einem Infek­ti­ons­herd des Coro­na­vi­rus erklärt. So kommt es in den Host- und Hos­tes­sen-Clubs, in Karao­ke-Bars und Restau­rants wie­der­holt zu Clus­ter-Bil­dun­gen, die sich kaum kon­trol­lie­ren las­sen. Die loka­len Behör­den haben in der Bekämp­fung jedoch einen beschränk­ten Hand­lungs­spiel­raum. Sie müs­sen mit recht­lich nicht bin­den­den For­de­run­gen arbei­ten. Eine Zwangs­schlies­sung von Geschäf­ten wie in ande­ren Län­dern ist nicht möglich. 

Aus die­sem Grund ver­su­chen die Mil­lio­nen­städ­te mit unter­schied­li­chen Metho­den, den natür­li­chen japa­ni­schen Drang zum Nomi­kai zu unter­drü­cken. In Tokio sind Restau­rants und Bars bis Ende Monat auf­ge­for­dert, spä­tes­tens um 22 Uhr zu schlies­sen. Im Gegen­zug hat Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke eine Ent­schä­di­gung in der Höhe von 200’000 Yen ver­spro­chen. Mit die­ser Mass­nah­me hofft man, mehr­stün­di­ge Essen mit Anschluss­fei­ern unter­bin­den zu kön­nen. In Osa­ka gilt der­weil bis 20. August die For­de­rung, Trink- und Ess­an­läs­se mit nicht mehr als fünf Per­so­nen abzu­hal­ten. Einen ande­ren Weg beschrei­tet der­weil die Prä­fek­tur Fuku­o­ka auf der Süd­in­sel Kyus­hu. Dort bit­tet die Lokal­re­gie­rung die Bevöl­ke­rung, bis zum 21. August die Nomi­kai auf maxi­mal 2 Stun­den zu redu­zie­ren und das Niji­kai weg­zu­las­sen. Man hofft damit, die aktu­ell stei­gen­den Zah­len in den Griff zu bekom­men (Asi­en­spie­gel berich­te­te), ohne das Wirt­schafts­le­ben zu stark einzuschränken. 

Die Gas­tro­no­mie leidet

Die Bot­schaft ist klar: Japan muss sei­ne Nomi­kai-Kul­tur über­den­ken oder neu gestal­ten, wie dies im April und Mai der Fall war. Wäh­rend der «Stay Home»-Zeit hiel­ten vie­le die Trink­kul­tur per Online-Chat auf­recht (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Für die unzäh­li­gen Restau­rants und Bars sind dies kei­ne guten Nach­rich­ten. Nicht alle wer­den die­se Kri­se über­le­ben. Inzwi­schen gab es in Japan 406 Insol­ven­zen, die in direk­tem Zusam­men­hang mit der Coro­na-Kri­se ste­hen. Am stärks­ten betrof­fen ist die Gas­tro­no­mie und dies noch vor der Hotelbranche.

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