«Raus aus Tokio»: Die Angst vor der Stadtflucht

Iam­Doc­tor­Egg / Shut​ter​stock​.comEin Shink­an­sen in Tokio.

Für Tokio und sechs wei­te­re urba­ne Prä­fek­tu­ren gilt wegen der Coro­na­vi­rus-Kri­se seit Diens­tag der Aus­nah­me­zu­stand (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Vie­le Restau­rants, Geschäf­te und Kauf­häu­ser haben für die nächs­ten Wochen geschlos­sen. Die Behör­den haben die Unter­neh­men gebe­ten, auf Home-Office zu set­zen. Die Ein­woh­ner sol­len mög­lichst zu Hau­se blei­ben, auch wenn es sich hier­bei um kei­nen Zwang, son­dern um eine For­de­rung han­delt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Doch bereits tre­ten ers­te Neben­er­schei­nun­gen die­ses regio­nal begrenz­ten Not­stan­des auf. 

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Am Tag der Not­stands­er­klä­rung war auf ein­mal von der Sor­ge um Tōkyō Dass­hutsu («Flucht aus Tokyo») und Coro­na Sokai («Die Coro­na-Eva­ku­ie­rung») in den japa­ni­schen Medi­en zu lesen. Gemeint ist damit das Ver­las­sen der Haupt­stadt, um noch womög­lich noch stren­ge­ren Mass­nah­men zu ent­ge­hen. Man fährt zurück ins Eltern­haus auf dem Land oder rich­tet sich fern­ab der Haupt­stadt für eini­ge Mona­te in einem Hotel oder in einer Zweit­woh­nung ein. 

Die Angst vor neu­en Cluster-Bildungen

Wie stark die­se Bewe­gung ein­ge­setzt hat, ist noch schwer abzu­schät­zen. Im Grun­de genom­men wird nie­man­dem ver­bo­ten, in einen Zug, einen Bus oder in ein Flug­zeug zu stei­gen. Die Gefahr, dass das Virus noch stär­ker aufs Land getra­gen wird, ist bei der aktu­el­len Kon­stel­la­ti­on gross. Das Phä­no­men erin­nert an Ita­li­en, als der Lock­down zunächst nur für den Nor­den des Lan­des galt und dar­auf­hin vie­le in ihre Hei­mat in den Süden flüchteten. 

Tokio ist prä­de­sti­niert für eine der­ar­ti­ge Ent­wick­lung. Die Haupt­stadt ist ein Mel­ting-Pot. Hier kom­men Men­schen des gan­zen Insel­staa­tes zusam­men, um zu stu­die­ren und Kar­rie­re zu machen. Tokio ist eine der weni­gen Regio­nen, die noch einen ste­ti­gen Zufluss an Men­schen ver­zeich­net und dies in einem Land in der die Bevöl­ke­rungs­zahl rasant schrumpft (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Nicht weni­ge Bewoh­ner in Tokio haben also irgend­wo in Japan ein Eltern­haus, das gera­de in Zei­ten eines Lock­downs wesent­lich mehr Annehm­lich­kei­ten bie­tet als die enge 1-Zim­mer-Woh­nung in der Millionenmetropole.

Die Bit­te der länd­li­chen Präfekturen

Die Gou­ver­neu­re der länd­li­chen Prä­fek­tu­ren sind besorgt. Die Fuji-Prä­fek­tur Yama­na­shi, die sich gleich neben Tokio befin­det und in der Coro­na­vi­rus-Kri­se bis­lang glimpf­lich davon gekom­men ist, hat die Haupt­städ­ter gebe­ten, von einem Tōkyō Dass­hutsu abzu­se­hen, um gera­de auch die älte­re Bevöl­ke­rung und die eige­ne Fami­lie zu schüt­zen. Auch Den­ny Tama­ki, Gou­ver­neur von Oki­na­wa, hat die Men­schen der Haupt­in­sel gebe­ten, Rei­sen zur Insel­grup­pe mög­lichst zu unter­las­sen. Das Leben und die Gesund­heit der Ein­woh­ner habe höchs­te Prio­ri­tät. Das Insel­pa­ra­dies ist gewöhn­lich ein belieb­tes Feri­en­ziel wäh­rend der Gol­den Week-Fei­er­tags­pe­ri­ode (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die länd­li­chen Prä­fek­tu­ren Tot­to­ri und Iwa­te, die bis­lang noch kei­nen ein­zi­gen Covid-19-Fall regis­triert haben, bit­ten der­weil alle, die aus einem Not­stands­ge­biet in ihre Regi­on zie­hen, für 14-Tage zu Hau­se zu blei­ben. Denn aus­ge­rech­net im April kommt es infol­ge des neu­en Geschäfts- und Schul­jah­res zu jeweils vie­len Umzü­gen in ganz Japan. Die­ser Umstand ver­schärft die Gefahr einer wei­te­ren Ver­brei­tung des Coro­na­vi­rus im gan­zen Land.

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