An jedem belie­bi­gen Ort leben und arbeiten

Im Haupt­sitz von Yahoo Japan in Tokio. NYCStock / Shut​ter​stock​.com

Yahoo ist in der west­li­chen Welt eine nost­al­gi­sche Erin­ne­rung an die Anfangs­zei­ten des Inter­nets. Für vie­le war die Web­site in der täg­li­chen Inter­net­nut­zung der Refe­renz­punkt schlecht­hin. Die­se Bedeu­tung hat sie längst ver­lo­ren. Yahoo wur­de mehr­mals umstruk­tu­riert, ver­kauft und ist heu­te ein New­s­por­tal unter vie­len. Nicht so in Japan. Dort ist Yahoo Japan eine Erfolgsgeschichte. 

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Im Besitz des japa­ni­schen Tele­kom- und Medi­en­kon­zerns Soft­bank ist Yahoo Japan eine der meist­be­such­ten Web­sites, auf der noch immer das klas­si­sche Logo mit dem roten Schrift­zug prangt. Vie­le Japa­ner ver­schaf­fen sich dort einen Nach­rich­ten­über­blick. Zudem ist sie nach Goog­le die zweit­be­lieb­tes­te Such­ma­schi­ne. Geld ver­dient das Por­tal mit ver­schie­dens­ten Online-Ange­bo­ten. Dazu gehö­ren Video-on-Demand, eine Auk­ti­on oder Mail-, Inter­net und Finanzdienste. 

Eine klei­ne Revolution

Der Haupt­sitz von Yahoo Japan im Kioi Tower in Tokio. yu_​photo / Shut​ter​stock​.com

Yahoo Japan zählt über 8000 Ange­stell­te und hat sich im Insel­staat den Ruf eines fort­schritt­li­chen Arbeit­ge­bers erwor­ben. Bereits 2016 kün­dig­te es die Ein­füh­rung einer 4-Tages-Woche und einer Home­of­fice-Opti­on an. 5 Tage im Monat soll­ten die Ange­stell­ten von zuhau­se arbei­ten dür­fen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Inzwi­schen hat die Coro­na-Pan­de­mie dazu geführt, dass gleich 90 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter von Yahoo Japan im Home­of­fice arbeiten. 

Bis­lang war eine Bedin­gung, dass die Ange­stell­ten ihren Wohn­sitz so wäh­len muss­ten, dass sie im Not­fall bis spä­tes­tens um 11 Uhr am Mor­gen im Büro sein konn­ten. Doch auch dies­be­züg­lich voll­zieht sich ein Wan­del. Ab April 2022 darf das Per­so­nal von Yahoo Japan an jedem belie­bi­gen Ort in Japan leben und arbei­ten, ja sogar selbst auf einer abge­le­ge­nen Insel, sofern es dort einen Inter­net­zu­gang hat. Den sel­te­nen Weg ins Büro dür­fen sie mit dem Shink­an­sen, dem Flug­zeug oder auch dem Fern­bus zurück­le­gen. Das Unter­neh­men betei­ligt sich mit maxi­mal 150’000 Yen pro Monat an die­sen Kos­ten. Aus­ser­dem gibt es monat­lich 10’000 Yen für die Home­of­fice-Spe­sen. Die Pflicht, nahe beim Büro zu woh­nen, wird nur noch für weni­ge wich­ti­ge Mit­ar­bei­ter gelten. 

Ein Ansatz gegen das aus­ster­ben­de Hinterland

Tele­ar­beit in Japan. Shut​ter​stock​.com

Yahoo Japan voll­zieht damit einen Schritt, vor dem sich vie­le japa­ni­sche Kon­zer­ne fürch­ten. So haben vie­le grös­se­re Unter­neh­men in der Coro­na-Pan­de­mie nur wider­wil­lig ein sanf­tes Home­of­fice ein­ge­führt und auch nur zu ger­ne wie­der abge­schafft, als es nicht mehr von den Behör­den gefor­dert wur­de. Die Büro­prä­senz hat in Japan wei­ter­hin Prio­ri­tät. Das hat auch damit zu tun, dass sich der enge Wohn­raum in Japan nicht wirk­lich als Arbeits­platz eig­net (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Umso wich­ti­ger ist die Mög­lich­keit, die Tele­ar­beit in länd­li­che Gebie­te mit güns­ti­gen Mie­ten und genü­gend Wohn­flä­che ver­la­gern zu kön­nen. Yahoo Japan wird damit nicht nur zu einem attrak­ti­ven Arbeit­ge­ber in einem Markt, der unter einem aku­ten Arbei­ter­man­gel lei­det. Es zeigt auch einen Ansatz auf, wie Japan den rasan­ten Bevöl­ke­rungs­rück­gang in vie­len länd­li­chen Gebie­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te) nach­hal­tig stop­pen und die Lebens­qua­li­tät für die gestress­ten Ange­stell­ten und deren Fami­li­en stei­gern könn­te. Auch ande­re IT-Unter­neh­men wie Mer­ca­ri oder LINE haben bereits den­sel­ben Weg ein­ge­schla­gen.

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