Die «Gol­den Week» in der Dauerkrise

ben bryant / Shut​ter​stock​.comEin belieb­tes Urlaubs­ziel in der Gol­den Week: Naha in Okinawa.

Die Gol­den Week in Japan dau­ert vom 29. April bis zum 5. Mai. Min­des­tens sie­ben arbeits­freie Tage ste­hen den Arbeit­neh­mern in die­sem Jahr zu Ver­fü­gung. Sie ist die tra­di­tio­nell die längs­te Fei­er­tags­pe­ri­ode und eine Erfin­dung der Nach­kriegs­zeit. Die Bezeich­nung Gol­den Week wur­de in den 1950ern zunächst von der Film­in­dus­trie ver­wen­det, da sie wäh­rend die­ser Fei­er­ta­ge regel­mäs­sig höhe­re Ein­nah­men ver­buch­te. Heu­te sind es haupt­säch­lich gol­de­ne Tage für die Tou­ris­mus­bran­che. Ein Land fährt dann in den Urlaub. Hotels, Shink­an­sen und Flü­ge sind rest­los ausgebucht. 

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Die zwei­te Kri­sen-Gol­den Week

Doch seit Beginn der Coro­na-Pan­de­mie im ver­gan­ge­nen Jahr geht die­ses Kon­zept nicht mehr auf. Die letzt­jäh­ri­ge Gol­den Week fiel kom­plett ins Was­ser. Das Land war mit­ten im ers­ten Not­stand. Tokios Gou­ver­neu­rin Yuri­ko Koi­ke sprach von der «Stay Home Gol­den Week» (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zum ers­ten Mal über­haupt waren die Shink­an­sen in jener Zeit prak­tisch leer (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Nun scheint sich die Geschich­te zu wie­der­ho­len. Die bri­ti­sche Vari­an­te des Coro­na­vi­rus hat auch in Japan zu einer schnel­le­ren Aus­brei­tung der Fall­zah­len geführt. Das Land steckt mit­ten in einer vier­ten Wel­le, deren Höhe­punkt noch nicht erreicht ist (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Sie­ben Prä­fek­tu­ren sind bis Mai im Qua­si-Not­stand (Asi­en­spie­gel berich­te­te) und es sind nicht irgend­wel­che. Mit Osa­ka, Hyo­go und Tokio sind bevöl­ke­rungs­rei­che und mit Kyo­to und Oki­na­wa tou­ris­tisch beson­ders popu­lä­re Desti­na­tio­nen betrof­fen. Ein wei­te­res Mal wird Jis­hu­ku gefor­dert, eine Selbst­be­schrän­kung der All­tags­ak­ti­vi­tä­ten. Koi­ke hat die Bevöl­ke­rung gebe­ten, auf prä­fek­tur­über­grei­fen­de Rei­sen mög­lichst zu ver­zich­ten und die geplan­ten Rei­sen für die Gol­den Week zu ver­schie­ben. In Oki­na­wa sind seit der Ankün­di­gung des Not­stands die neu­en Reser­va­tio­nen für die Hotels um die Hälf­te ein­ge­bro­chen. Und dabei hoff­te man nach dem letzt­jäh­ri­gen Kom­plett­aus­fall über­all im Land auf eine spür­ba­re Erho­lung. Die Reser­va­tio­nen stie­gen gemäss der gros­sen Rei­se­agen­tur JTB nach dem Ende des zwei­ten Not­stands am 21. März 2021 spür­bar an. Statt­des­sen wird es erneut zu Annul­lie­run­gen kommen. 

Kein Kon­zept für die Pandemie

Es ist nicht nur die Gol­den Week, die unter der Coro­na-Kri­se lei­det. Auch wäh­rend der letzt­jäh­ri­gen Obon-Zeit im August (Asi­en­spie­gel berich­te­te) und der Neu­jahrs­ta­ge (Asi­en­spie­gel berich­te­te) bra­chen die Umsät­ze ein. Ein­zig zwi­schen Sep­tem­ber und Novem­ber gab es Fei­er­ta­ge mit viel Bewe­gung. Die Fol­ge waren jedoch stei­gen­de Fall­zah­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Pan­de­mie hat die Schwä­che der ein­heit­li­chen Feri­en­zei­ten, in denen jeweils Mil­lio­nen Men­schen zum sel­ben Zeit­punkt im gan­zen Land unter­wegs sind, gna­den­los offen­ge­legt. Ide­en, um die Feri­en­ak­ti­vi­tä­ten der Japa­ner bes­ser zu ver­tei­len, sind vor­han­den. So soll bei­spiels­wei­se mit dem «Wor­ka­ti­on»-Konzept der arbei­ten­de Sala­ry­man die Arbeit mit Urlaub kom­bi­nie­ren und dies abseits der Fei­er­ta­ge (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Zudem gibt es seit Jah­ren Bemü­hun­gen, den Bezug der gesetz­lich zuste­hen­den Feri­en­ta­ge aktiv zu för­dern (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bis­lang hat sich jedoch die Hoff­nung, dass die Coro­na-Kri­se die­se Ände­rung der Arbeits­kul­tur beschleu­ni­gen könn­te, als Illu­si­on erwiesen.

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